Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen...

Mittwoch, 17 Februar 2021 11:30

Interview mit Tim Grabowski

geschrieben von
Artikel bewerten
(1 Stimme)
Tim Grabowski im Interview Tim Grabowski im Interview Tim Grabowski

Tim Grabowski ist zweifacher Weltmeister im Drachenfliegen (Starrflügler) und berichtet in diesem Interview über seinen Werdegang und darüber, was ihn motiviert. Freu dich auf ein kurzweiliges und spannendes Gespräch...

Hör dir den Beitrag als Podcast an:

Abonnieren auf: Apple Podcast Castbox Deezer TuneIn

 

Wie bist zu zum Fliegen gekommen?

Ich habe im Sommer 2000 am Tegelberg angefangen meinen Drachenschein zu machen. 2000 ist auch schon ganz schön lange her. Eigentlich verrückt, wenn man so zurück schaut. 20 Jahre, so alt bin ich doch noch gar nicht. Ich habe mit 14 angefangen, gleich nach meinem Geburtstag in den Sommerferien und seitdem mit begeisterung dabei. Durch meinen Vater, der auch Drachen geflogen ist. Er hat mich mit vier Jahren schon mitgenommen. Zuerst am Übungshang und nach dem ersten Mal abheben war die Begeisterung für mich da. Ich bin mit Plastikfolien den Hang runter gerannt und wollte immer fliegen. Und dann hat es ganz schön lange gedauert, weil man natürlich auch für das Drachenfliegen, die körperliche Statur braucht, bis man einen Drach hochheben kann. Mit 12 Jahren machte ich dann die ersten Hüpfer am Übungshang allein und dann mit 14 die Ausbildung, damals noch mit Sondergenehmigung vom DHV.

Es muss hart für ein Kind sein, dass schon so früh Blut geleckt hat, noch so lange zu warten.

Ja, schon. Ich bin dann natürlich auch mal daneben noch mitgeflogen und war halt einfach viel dabei. Dennoch konnte ich es kaum erwarten, dass es endlich los ging. Aber auch damals schon durchs zuschauen, habe ich wirklich viel gelernt. Als es dann wirklich losging, hat es dann auch gleich gut fuktioniert. Also soetwas wie Thermik finden.

Was ist das besondere am Drachenfliegen?

Das besonder ist, dieses Vogelähnliche. Das hört sich immer so ein bisschen pauschal an, aber es ist genauso. Auch im Vergleich zum Gleitschirm, bei dem man sieben Meter unter dem Schirm hängt. Beim Drachen sind es eineinhalb Meter und diese Nähe zum Flügel bringt einem auch mehr Feedback und es fühlst isch wirklcih so an, wie wenn die Flügel die Verllängerung von den eigenen Armen sind. Durch die Steuerung nur mit der Gewichtskraft, beim Flexiblen Drachen, ist es so, dass wirklich jede Bewegung, die ich mit meinem Körper mache, sofort auch im Flug übergeht. Dadurch hast du ein sehr intensives Gefühl. Dann die Sicht nach vorne, die einen finden es super schön, weil es einem Vogels sehr ähnlich ist. Das bequemste ist es nicht,  aber das Gefühl, dass man davon bekommt, ist wirklich einzigartig und schön. Du nimmst du den Kopf zur seite und siehst den Flügel. Du bist so nah dran, dass du denkst das ist deiner. Das ist schon cool.

Wie bist du dann besser geworden? Wie hast du dich entwickelt? Hast du irgendwelche Kurse gemacht?

Nein, Kurse an sich nicht, da gibt es im Drachenbereich natürlich auch wenig. Zum Einen habe ich wirklich schnell angefangen mit guten Leuten fliegen zu gehen. Mit Adi Meierkord von AIR, er war damals dort als Tespeilot beschäftig. Mit ihm bin ich zum Einfliegen gegen und dann relativ schnell auch mit Toni Raumauf, der beim Streckenfliegen und beim Wettbewerbsfliegen sehr bekannt ist. Mit denen bin ich einfach zum Streckenfliegen gegangen und habe viel gelernt.

Was auch ganz cool war, ich weiß noch, dass Toni nie auf einen gewartet hat. In Kössen habe ich mit ihm aufgebaut und auf einmal war er wegg. Am nächsten Tag wusste ich, ich muss ein bisschen mehr schauen. ich bin hinterher gestartet und hinterher geflogen und mitgeflogen. Auf den Streckenflügen habe ich unheimlich viel gelernt. 

Und dann natürlich im Wettbewerb. Ich glaube, es gibt nichts, bei dem du schneller und mehr lernen kannst, wie beim Wettbewerb. Das Wetter ist vorgegeben, es ist für alle gleich. Man ist mit vilen Leuten gleichzeitig in der luft und probiert dieselbe Aufgabe zu fliegen. Die Piloten machen die Luft ein stückweit sichtbar, weil ich fliege. Wenn ich fliege, denke ich vielleicht ich habe eine super Linie und dann sehe ich aber rechts einen, der ohne ersichtlichen Grund einfach die Höhe mitnimmt. Okay, dann wechsle ich die Spur. Durch diese sichtbaregemachte Luft, lernen wir sehr schnell. 

Das finde ich auch immer ganz interessant beim Wettbewerb. Besonders in einem Gebit, dass man selbst sehr gut kennt. Oft hat man selbst eingefahrene Muster, wie in dem Gebiet geflogen wird und plötzlich fliegen die anderen ganz anders...

Ja, das ging mir selber auch so. Bei der German Open am Tegelberg. Da dachte ich auf einmal auch "das hatten wir noch nie so gemacht". Es gibt natürlich immer so ein paar geheime Ecken, auf die niemand drauf kommt, zum Beispiel der Dürrnberg, wo die Thermik gleich um ein gutes Stück höher ist. Aber es ist genau wie du sagst. Dadurch, dass die Leute das Gebiet nicht kennen, haben sie irgendwie eine ganz andere Idee und sind dann halt offen für neue Ideen. Sie beobachten vieles anders, weil sie nicht so eingefahren sind, sondern alles sehr offen wahrnehmen und dann neue Ideen haben, wie es gehen kann.

Wie gehst du vor, wenn du in ein ganz neues Fluggebiet kommst?

Einfach fliegen gehen und schauen. Es ist so auch hier offene Augen zu bewahren und alles zu beobachten und Ideen ausprobieren . Das ist es, was dann auch Spaß macht. Einfach mal neue Sachen auszuprobieren. Und es ist auch ganz klar, dass nicht immer alles funktioniert. Dann macht man etwas einmal falsch und muss mich dann wieder ausgraben und beim nächsten Mal, weiß ich es dann. 

Beim Wettbewerb ist es genauso. Es kann natürlich helfen vorher alles abzufliegen, zu erkunden. Es gibt natürlich unterschiedliche Fluggebiete. Es gibt Fluggebiete, die als relativ simple gelten, an denen es Ktten gibt, denen man immer schön folgen kann. Da ist es kein riesen Vorteil, wenn man das Gebiet gut kennt. Dann gibte es aber auch Gelände, bei denen man einen Vorteil hat, wenn man es einfach besser kennt und schon ein paar stunden geflogen ist.

Du bist 2-facher Weltmeister bei den Starren, was ist dein Geheimnis?

Ich bin einfach sehr sehr viel geflogen. Ich habe auch lange für AIR gearbeitet und war dann wirklich viel am Fliegen. Im Sommer habe ich fast jeden Wettbewerb mitgenommen und einfach sehr viele Stunden unter dem Atos. Davon profitiert man dann irgendwann. Ich bin viele Wettbewerbe geflogen und habe immer probiert mit den guten Leuten mitzufliegen. Auch am Anfang bei jeder WM. Die WM ist bei den Drachen der hochqualifizierteste Wettbewerb. Hier kommen alle guten Piloten zusammen, da kommen die Besten. 2006 und 2008 einmal in Florida und am Monte Cucco, da hab ich verscuht mit Alex Ploner, Christian Schiech oder Robert Reisinger mitzufliegen, wenn die mal voraus flogen. Wenn man dann den Ehrgeiz hat, da mithalten zu können und probiert dran zu bleiben, so lange es geht, dann kann man sich unheimlich viel abschauen. Hier habe ich viel gelernt.

Wwas dann noch ganz gut war, waren die vielen Jahre als Manfred Ruhmer Flexi gefogen ist und ich mit dem Starren einen Leistungsvorteil hatte. Oft hatten wir die gleichen Aufgaben, aber duch meinen Vorteil konnte ich mit Manfred mitfliegen, was sonst vielleicht nicht möglich gewesen wäre. Da konnte ich mir natürlich auch was abschauen. Dann einfach auch Ideen ausprobieren, was anders zu machen und nicht nur mitzufliegen, sondernauch einfach mal was auszuprobiern. Hier sind Wettbewerbe sehr gut. Ich stand dann auch mal am Boden, aber irgendwann kriegt man so das Gefühl raus und probiert sein Flugzeug immer ein bisschen zu verbessern. Ich denke man muss alle Richtungen mal ausprobieren: mal zu schnell fliegen, dann zu langsam fliegen, seine eigenen Sachen probieren usw. 

Im Wettbewerb ist natürlich auch das Team ganz ganz wichtig. Die meiste Zeit probiert man zusammenzuarbeiten und die Strecke gemeinsam zu meistert, erst gegen Schluss wird geschaut, wer kann jetzt die bessere Entscheidung treffen oder wo kann man noch was besser machen oder anders.

Wie bereitest du dich auf einem Wettbewerb vor. Erst ist das Briefing, du bekommst die Aufgabe und was passiert dann? Bereitst du dich irgenwei speziell vor?

Ich seh mir auf jeden Fall die Karte an. Je nachdem wie gut ich das Gelände kenne. In Greifenburg sehe ich mich vielleicht nicht einmal mehr die Karte an. Dann überlege ich mir, was noch alles wichtig ist: Wetter, Wind auf unterschiedlichen Höhen. Der Wind ist schon eine sehr wichtige Sache in der Vorbereitung. Ich starte wirklich früh. Meistens bin ich einer der ersten die rausstarten, um einfach Zeit in der Luft zu haben. Es ist sehr wichtig den Tag einschätzen zu können. Manchmal gibt es verschiedenen Inversionsschichten oder es gibt Bereiche, woe es einfach Sinn macht zu steigen. Und das kannst du einfache erkunden, wenn du eine Stunde früher in der Luft bist. Du kannst alles ausprobiern und weißt in welcher HÖhe es am besten steig, wo der Wind hin versetzt. Wo die Thermiken heute sind, weil sie nicht immer gleich stehen. Das Einfliegen auf den Tag ist super wichtig. In der Luft kann ich mir auch noch einen Blick über die Route verschafen: erst mal in die Richtung und dann müssen wir da rüber. So bekommt man einfach schon einmal einen sehr, sehr guten Überlcik.

Bereitest du dich auch mental irgendwie auf dem Flug vor?

Ich gehe schon so ein bisschen in mich und lassen mich dann nicht mehr so ablenken.

Aber wichtig sind für mich nicht die momentanen Sachen, die passieren. Am Flugtag selber ist es unbedingt wichtig die gute Laune, Spaß haben.

Auf einer WM mit zehn Flugtagen, wache ich nicht jeden Morgen auf und habe super Laune, aber wenn man dann halt am Start ist und das ist auch schön beim Drachen, dann baut man den Drachen in Ruhe auf und genießt das schöne Wetter. Sann musst du dich auch irgendwie ein bisschen pushen und sagen "wow, ist das ein geiler Tag".

Spaß haben beim Fliegen und es genießen, das ist ganz ganz wicht. Trotz Ehrgeiz, den man natürlich hat, ansonsten würde keiner auf einen Wettbewerb gehen, ist es wichtig Spaß zu haben und sich auf den Tag zu freuen, auf das Fliegen.

Man kann nicht das Maximale aus seiner Leistung rausholen, wenn man keinen Spaß daran hat oder zu verbissen ist.

Auch wenn es mal nicht gut läuft, dann gehen die Gesichter schon mal runter. Die Kunst ist, am nächsten Tag, wieder dazustehn und den vergangen Tag vergessen zu haben. Und wieder Lust auf das Fliegen zu haben und Spaß. Wenn dich ein schlechtes Ergebnis vom vortag oder ein nicht so gutes Ergebnis vom Vortag zu sehr runterzieht, dann läuft es am nächsten Tag auch nicht. Man muss einfach wieder in seinen Modus reinkommen und Spaß ist sehr sehr wichtig.

Das ist immer so einfach gesagt, es ist schwierig und ein ganz wichtiger Punkt.

Was machst du, wenn du im Wettbewerb ganz in Führung bist?

Der Vorteil im Wettbewerb ist, dass durch die vielen Piloten die Luft sichtbar wird. Darüber hinaus darf man nicht den Gesamtüberblick verlieren. Ich frag mich dann "was würde ich jetzt machen, wenn du allein wärst?". Wenn man das ein bisschen im Hinterkopf hat, dann bist du auf den Moment vorbereitet, wenn du dann in Führung bist.  Du weißt dann, was zu tun ist, da du dir vorher überlegt hast, was du machen willst, wenn keiner da ist.  Wenn du vorne bist, ist es wie fliegen alleine und dann brauchst du natürlich das Vertrauen. Hierfür ist Streckenfliegen wichtig. Sodass du eben das Vertrauen hast, dass du weißt "okay, ich komme alleine auch gut zurecht".

Du kommst dann schnell vorwärts und an Schlüsselstellen oder schwierigen Passagen, wenn es z.B. aus den Bergen ins Flachland geht, dann macht es auch im Wettbewerb Sinn, mal einen Kreis extra zu fliegen und auf andere zu warten. Wenn es die Kanten entlang geht, kann man sich eine gute Position rausfliegen. Hier kann man dann natürlich auch mal Gas geben und sagen, "das probier ich jetzt alleine". Aber an schlüsselstellen ist es oft sinnvoll auf die anderen zu warten und mit den anderen die Strecke gemeinsam zu meistern und sich vielleicht einen kleinen Vorteil zu erhalten und diesen dann später im Rennen zu nutzen.

Was machst du, wenn du mal hinten im Pulk bist?

Ich glaube, das ist etwas, was ich wirklich sehr gut kann, weil mir das Spaß macht. Ich schaue mir dann die anderen an und hab glaube ich eine ganz gute Beobachtungsgabe. Ich weiß dann sehr gut wer wer ist, auf wen ich achten muss. Man hat ein riesen Vorteil, wenn man hinterher fliegt. Man kann die sichtbare Luft beobachten, man sieht die Lineien gut und ich halte mich dann meisten in der Mitte, wenn es zwei Linien gibt. Ich entscheide dann einfach, was die bessere Linie ist und dadurch kann man sehr schnell wieder aufholen und gut aufschließen.

Ich weiß nicht, ob das wiederaufschließen mit dem Gleitschirm auch so gut geht. Da hier viele am oberen Geschwindikeitslimit fliegen und dadurch es vielleicht ein bisschen schwerer ist wieder aufzuschließen.

Ich denke, am Start ist es gar nicht so schlimm, mal hinten zu sein, aber man sieht schon, dass bei den Gleitschirmen in großen Wettbewerben 50 innerhalb von 2 - 3 Minuten in Zeil fliegen. Es ist also doch schwieriger einen Rückstand wieder aufzuholen. Da bin ich immer ganz fasziniert, dass bei den Drachen teilweise 15 - 20 Minuten Vorsprung rausgeflogen werden, das ist beim Gleitschirm ganz selten der Fall.

Mit dem drachen haben wir das beste Gleiten bei 75 - 80 km/h. du kannst aber auch mit 100 - 120 km/h noch schön gleiten. Damit hast du natürlich einen größeren Geschwindigkeitsbereich mit dem du Vorsprünge herausfliegen oder gut auf jemanden wieder aufschließen kannst.

Die anderen könnten zwar das auch machen, wird aber oft nicht gemacht. Mit einer guten Linie, wenn du das Steigen einfach mitnehmen kannst, ist es schon sinnmal auch mal langsamer zu fliegen, aber wenn du natürlich mit einer höheren Geschwindigkeit die bessere Linie fliegst, sie früher siehst, dann schließt du auch wieder auf und überholst zumindst die schlechteren Piloten und schließt auf die Besseren auf.

Hast du vor in Zukunft vielleicht auch bei den Flexis mit zufliegen?

Ich hab das ja auch schon gemacht. 2009 hatte ich eine Phase in der ich ein bisschen mehr Flexible Drachen geflogen bin. Damals auch bei der WM und der Vor-EM. Ich merkte aber, dass es nicht so einfach ist, zwischen den Geräten zu wechseln. Es braucht viele Stunden, um wieder auf dem Gerät fit zu sein und sich darauf einzustellen.

Im Moment habe ich Freude daran mit dem Flexi zu fliegen, ob ich jetzt im Wettbewerb mitmache? - Vielleicht mal bei kleineren Wettbewerben auf jeden Fall, da mir das Wettbewerbsfliegen Spaß macht und man viel lernt. Im moment habe ich nicht wirklich bei den Flexiblen mitzufliegen.

Hattest du schon einmal ein negatives Erlebnis, sodass du gesagt hast "ich lass das Fliegen!.

Ich glaube, wenn man 20 Jahre lang fliegt, ist es schwirig diese Erlebnisse nicht zu haben. Ich hatte das relativ am Anfang. Damals bin ich zu schnell auf ein höher klassifiziertes Gerät umgestiegen. In der luft hat der Drachen super viel Spaß gemacht, aber zum Landen war er ganz schwierig. Ich habe viele Steuerbügel verbogen und am Ende meines Sommerurlaubes hatte ich keine Steuerbügel mehr und das Kielrohr war verbogen. Da hatte ich wirklcih gesagt "Ich lass das Fliegen, das ist einfach nichts für mich, das ist mir zu komplex, ich werde das nicht lerenen" und natürlich hatte ich auch Angst mir weh zu tun.

Ein Vereinskollege sagte dann zu mir "nimm mal hier den Drachen, ich habe noch einen in der Garage liegen". Das war ein Intermedia-Drachen. Er hat mich wirklich überredet und ich hab dann den Drachen ausprobiert. Nach dem ersten Flug damit hatte sofort wieder so eine Begeisterung, die erste Landung war sofort wieder stehend und schön. Dann war einfach diese Freude wieder da. 

Da habe ich schon gesehen, wie schnell es gehen kann, dass man an seine Grenze oder das Limit kommt. Deswegen ist es auch so wichtig, dass man in seiner Komfortzone bleibt und sich nicht weh tut und sich wohlfühlt. 

Wenn man sich nicht wohlfühlt, muss man daran arbeiten und vielleicht auch weider einen Schritt zurück machen.

Wir sind halt einfach den Elementen ausgesetzt und es kann auch ganz schnell auf die negative Seite kippen. Es sind diese Naturgewalten, die einen reizen, damit zu spielen und zu fliegen. Aber man muss auch den Respekt bewahren, das ist das allerwichtigste.

Es reicht schon eine kleinere dunkle Wolke, die einen auf einmal ansaugt, du spürts dann diese Power und das kann Respekt einflößen. Viel Wind in den Bergen führt zu starken Turbulenzen, da kommt man schon mal ans Limit kommen. Da muss man sich klar machen, dass das wichtigste ist, wieder gut unten anzukommen. Das muss man sich auch immer wieder bewusst machen. Und deshalb auch kein zu großes Risiko eingehen. 

Ich habe mir nie wehgetan, es gab schon ein paar blöde Situationen, aber eine Verletzung oder ganz schlechte Erlebnisse werfen einen weit zurück. Dann fängt man nicht bei Null an, sondern sogar noch darunter. Danach muss man sich wieder herantasten an den Zustand, andem man schon war. - An dieses Unbeschwerte. Und das dauert eweig.

Wenn man aber immer so im sicheren Bereich bleibt, natürlich muss man auch ein bisschen an die Limits herantasten, wir alle machen das, aber es it gut, wenn man dann immer wieder auch einen Schritt zurück macht und nicht drüber hinaus geht und sich nicht verletzt.

Im Sommer arbeitest du als Gleitschirm-Tandempilot, ein ganz anderes Fluggerät. Ist dir der Umstieg vom drachen auf den Gleitschirm schwer gefallen?

Ja ich mache beides. Ich arbeite als Fluglehrer bei der Flugschule Drachenfliegen Tegernsee. Da dies aber nicht so viel ist, habe ich noch was anderes gebraucht. Das Gleitschirm-Tandemfliegen macht mir mehr Spaß, als ich es anfang gedacht habe. Es ist wirklcih eine ganz tolle Sache. Die Leidenschaft des Fliegens mit Leuten zu teilen, die mit dem Fliegen nichts zu tun haben oder die das einfach mal ausprobieren möchten. Da krieg ich sehr viel zurück und es macht mir richtig viel Spaß.

Gleitschirmfliegen mach ich auch schon relativ lang. 2005 habe ich im Winter angefangen mit Groundhandling und dann beim Skifahren, bin ich mit der letzten Gondel oder dem letzten Lift noch hoch und hab mal einen Abgleiter gemacht, weil dafür lohnt es sich mit dem Drachen einfach nicht, den aufzubauen. Für solche Fälle ist der Gleitschirm viel geschickter. Dann hab ich viel Hike & Fly gemacht. Von dem her ist mir der Gleitschirm schon vertraut. Man muss auch üben, gerade das Starten und Landen. Das Starten ist natürlich ganz was anderes. Ich habe relativ viel Groundhandling gemacht und das ist beim Gleitschirm eine super Sache.

Hast du dich unter dem Gleitschirm in der Luft gleich wohl gefühlt?

Die ersten Stunden sind ganz komisch, man braucht einige Stunden, um da reinzukommen. Es ist einfach das Einfliegen auf das Gerät. Sonst hatte ich ja eine stabile  Fläche, die nicht einklappen kann und sich weniger bewegt. Das ist ganz anders und ich hörte natürlich immer die  Geschichten von Einklappern. Da hatte ich natürlich viel Respekt vor. Aber so nach 30-50 Flugstunden, wenn das Gefühl für den Schirm da ist, fühlt man sich auch wohl und dann ist es eigentlich auch erstaunlich, was der Gleitschirm alles dann doch auch ab kann.

Viel macht das aktive Fliegen mit Gewicht aus. Es ist erstaunlich, was sich über Bremse und Gewicht alles ausgleichen lässt, ist echt unglaublich.

Wie schaffst du es, dein ganzes restliches Leben, neben dem Fliegen zu organisieren?

Ich habe mich Für für das Fliegen entschieden. Mir ist das so wichtig, dass ich mich irgendwann dazu entschieden "okay, ich möchte auch beruflich was mit fliegen machen" und das habe ich auch so beibehalten. Fast zehn Jahre arbeitete ich bei A.I.R. und jetzt mit der Flugschule und dem Tandemfliegen. So bin ich halt auch beruflich in der Luft und das hilft einfach. Jeder Tag in der Luft und jeden Tag das Wetter zu erleben.

Ich glaube, dass es bei den Vögeln zum Beispiel auch ein Geheimnis ist. Also zwei sachen:

1. Sie können unglaublich gut sehen und sehen deshalb Blütenstaub oder andere kleine Stücke, die wir gar nicht sehen auf weite Entfernung.

2. Sie sind jeden tag draußen. Sie sitzen da und sie wissen ganz genau, wenn die Sonne im sommer dort und im Winter hier steht, wie die Bedingungen sind.

Ich glaube, dass ist ein Geheimnis. Auch, dass sie natürlich in der Natur, nur draußen sind. Das ist bei uns auch so und das sieht man ja auch.  Die Leute, welche viel fliegen und viele Stunden haben, sind auch viel draußen, beobachten viel das Wetter und das hilft uns auf jeden Fall.

Was schätzt du so ganz besonders an diesem Flugsport?

Die Vielseitigkeit ist es auf jeden Fall. Das ist für mich der Reiz. Ich flieg unglaublich gerne mit dem Starrflügler, ich flieg auch gerne mit einem flexiblen Drachen, ich flieg auch gerne mit dem Gleitschirm. Ich habe es auch mal mit derm Trike ausprobiert. Mit Motor ist aber nicht ganz so meine Sache, weil es zu viel krach macht.  Also motorlos zu fliegen ist es schon. Das Faszinierende ist aber schon diese Vielseitigkeit. Jeder Tag ein anderes Wetter, im Herbst Hike & Fly und einfach draußen zu sein. Und natürlich das Abschalten, Genießen und Spaß dran haben. Ich hab es natürlich auch ernst genommen, aber man muss sich auch den Spaß erhalten. 

Gerade, wenn man auch beruflich mit dem Fliegen zu tun hat, ist es sehr wichtig, die Motivation für sich selber noch rausnimmt. Und dann auch einfach mal ganz entspannt für sich selber zum Fliegen zu gehen, ohne Stress, ohne irgendwas berufliches zu tun, einfach nur genießen. Ein Abendflug ist für mich egal wo, einfach mal zwei Stunden den Flug genießen und vielleicht den Sonnenuntergang zu sehen, die größte Freude. Das Fliegen an sich, ist dann wieder die größte Motivaton dafür wieder fliegen zu gehen. 

Was empfiehlst du einem Piloten, der gerade ganz am Anfang steht? (z.B. Bücher)

Es gibt denke ich ein paar gute Bücher Eines heißt "The secret of Champions" oder auch im Streckenflugbuch von Burkhard Martens stehen ein paar gute Sachen drin.

Das wichtigste dann ist einfach fliegen, fliegen, fliegen. Einfach rausgehen, fliegen gehen und Spaß haben, sich nicht überforder, der Spaß muss im Vordergrund stehen.

Gerade am Anfang, das war auch meine persönliche Erfahrung, nicht zu schnell umsteigen auf irgendwas höher klassifiziertes. Erst wenn es einem langweilig wird, dann mal was anderes ausprobieren. Und eben auch bereit sein, mal wieder einen Schritt zurück zu machen. Dann bleibt der Spaß lange erhalten.

Fliegen ist einfach ist ein wunderschöner sport und er ist so Vielseitig, dass jeder, der flugbegeisterr ist und das mal ausprobieren möchte, es ausprobieren sollte. Ganz ohne Angst an die Sache ran gehen und der Flugsport ist so Vielseitig, dass für jeden was dabei ist. Für den einen ist es das hochlaufen und runterfliegen, der andere möchte Streckenfliegen oder Wettbewerbsfliegen.

Wenn jemand gut werden möchte, führt für mich kein Weg am Wettkampffliegen vorbei. Hier lernst du schneller als beim Alleinfliegen.

 

Vielen DANK Tim für deine Zeit für das Interview und hab weiterhin viele, schöne Flüge!

Gelesen 346 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 01 April 2021 09:43

Schreibe einen Kommentar

Kontakt:

eMail Kontakt Yvonne Dathe

Start 07. Mai:

7 Säulen der Resilienz
Workshop

Resilienz-Workshop

>> Melde dich hier an <<

© 2021 WinMental • Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen!
Cookies erleichtern die Darstellung dieser Internetseite. Mit der Nutzung unserer Internetseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.