Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen...

Donnerstag, 09 November 2023 16:32

Interview mit Alex Ploner

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Alex Ploner Alex Ploner Alex Ploner

Alex Ploner ist sechsfacher Weltmeister im Drachenfliegen. Er fliegt, weil es ihm Spaß macht, nicht wegen der Medaillen. Nach dem Interview wirst du ihm glauben, dass es tatsächlich so ist...

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Hier das Transkript vom Interview mit Alex Ploner zum Nachlesen:

 

Hallo Alex, vielen dank, dass du dir Zeit nimmst für dieses Interview. Du bist sechsfacher Weltmeister und DHV-Testpilot. Seit wie vielen Jahren fliegst du?

Ich flieg seit 1994. Damals habe ich den Kurs und die Prüfung absolviert.

Dann haben wir was gemeinsam. Ich habe auch 1994 den Grundkurs und meinen Schein gemacht.

Letztens habe ich nachgedacht. Dieses Jahr sind es fast 30 Jahre. Ja, unglaublich so eine lange Zeit.

Ja, gerade beim Tandemfliegen ist das ganz schlimm, wenn ich jüngere Passagiere dabei habe und sie dann fragen - seit wann fliegst du denn? Und ich antworte: „ich glaube schon länger als du alt bist“.

Auf der einer Seite tut es weh auf der anderen Seite ist es die Erfahrung, die man bezahlen muss.

Ich finde das mit dem Alter, ist auch gut, nur das jugendliche Aussehen ist dann dahin. Wie bist denn du zum Fliegen gekommen? Wie war das bei dir?

Ich war immer begeistert von allem was geflogen ist, warum und von wo, weiß ich nicht, aber ungefähr als ich fünf oder sechs war, war ich einfach begeistert und mein Traum war, Pilot zu werden und dass jedes Mal, wenn ich einen Flieger gesehen habe, bin ich vom Haus rausgerannt, um sie anzuschauen und die Begeisterung ist weiter geblieben.

Das einfachste Fliegen bei uns war Gleitschirm- oder Drachenfliegen, und ich hatte meinen Bruder, der ein paar Jahre vor mir das Drachenfliegen angefangen hatte und deswegen kannte ich auch die Leute, die hier lokal mit dem Drachen flogen und ich fand den Drachen viel geiler und da war es für mich ziemlich klar, sobald ich es machen konnte, habe ich's gemacht. Ich hab mich gleich in das Drachenfliegen verliebt und bin es immer noch.

Gleitschirm war für dich von Anfang an keine Option.

Nein, beim Gleitschirm war der Unterschied damals noch extremer als jetzt. Beim Gleitschirm hat mir immer die die Dynamik gefehlt. Mit dem Drachen lässt sich die Höhe besser in Geschwindigkeit umwandeln. Diese Geschwindigkeit und dieses rauf und runter hat mir einfach gefallen. Ja, deswegen war der Schirm irgendwie nie eine Option.

Du hast bei dem Film mitgemacht „Lautlos über die Alpen mit dem Drachen“. Ich habe mir diesen nochmal angeschaut und es sind traumhaft schöne Aufnahmen. Ihr seid von Bassano bis an den Chiemsee geflogen. Hast du so etwas auch schon mal ohne Kamerateam gemacht?

Touren mit dem Drachen - nein, aber das steht auf jeden Fall noch auf der To-Do-Liste. Im Kleinen habe ich das schon gemacht. Als ich bei der DHV-Junior-Challenge ein paar mal mitgeholfen bin, flog ich hin, bin dann dort ein oder zwei Tage geblieben und dann wieder zurückgeflogen.

Das ist, was dem Biwakfliegen mit dem Drachen am nächsten kommt. Biwak-Fliegen mit dem Drachen ist viel komplizierter, aber wenn man es richtig plant, dann wäre es möglich. Du brauchst halt immer einen Transport zum Startplatz, dann ist es nicht so einfach wie es vielleicht mit dem Schirm möglich ist, aber das wäre möglich. Allein, diese kleinen Strecken, die ich gemacht habe mit übernachten und wieder zurück geflogen bin, war schon ein ganz cooles Gefühl. So wird dein Drachen wirklich zu einem Transportmittel.

Ja, es ist schon was ganz Besonderes, wenn man dann einfach irgendwo übernachten und dann am nächsten Tag einfach wieder weiterfliegen kann. Das ist das Einzige worum ich Gleitschirmpiloten beneide, dass sie überall rein landen können, warten, etwas trinken, übernachten und dann wieder weiter fliegen. Das ist genial.

Du fliegst ja auch so privat relativ viel Strecke. Trotzdem hat es dir auch das Wettbewerbsfliegen angetan. Warum fliegst du so viele Wettbewerbe? Du könntest ja auch einfach für dich auf Strecke gehen?

Bestimmt hat das damit zu tun, dass ich mich gerne mit jemand messe. Das liegt an meinem Charakter und in meiner Persönlichkeit. Als zweiter Faktor ist, der Spaß am Fliegen mit anderen zu teilen. Vor allem vor dem Start und nach dem Flug. Wir Drachenfliegen quatschen sehr, sehr viel und bei Wettbewerber hast du genug Leute, mit denen du vor und nach dem Flug reden kannst. Das mag ich sehr, die Gesellschaft. Der eigentliche Grund, warum ich die Wettbewerbe angefangen habe, hat mit Lernen zu tun und dem Willen Besserwerden zu werden. Als ich am Anfang geflogen bin, hat mir ein lokaler Pilot, der Karl Wehe, gesagt „ach du hast Spaß, du fliegst gut - komm mal mit auf Wettbewerbe, weil da lernt man viel schneller, man hat viel mehr Möglichkeit sich zu verbessern“ und er hat recht.

Drachen- oder Gleitschirmwettbewerbe sind sehr schön für jedes Piloten-Niveau. Ein guter Pilot wird um den Sieg fliegen und ein sagen wir mal langsamer Pilot, fliegt halt wegen des Lernens mit. Es ist möglich sehr schnell besser zu werden, weil man fliegt in sehr unterschiedlichen Bedingungen. Man fliegt an Tagen, an denen ich normalerweise daheim nicht einmal an fliegen denken würde und das hilft sehr viel sich zu verbessern. In manchen Bedingungen lernt man mehr als in anderen. Ich meine damit nicht kritische Bedingungen. Ich rede von schwachen Bedingungen. Manchmal denkst du im Wettbewerb, „heute kommen wir nirgendwo hin“ und dann kommen 100 km raus - das ist schön.

Die ganzen Gründe, machen für das Wettbewerbsfliegen sehr attraktiv.

Das Wichtiges an Wettbewerben ist, dass man etwas dazu lernt.

Was macht für dich denn ein guter Drachen Pilot aus, worauf kommt es an, muss der besonders fit sein oder braucht er eine besonders gute Ausbildung? Oder was meinst du, worauf kommt es an?

Letztendlich ist das immer das Gesamtpaket, was den Unterschied macht. Einer, der ein bisschen in jeder Hinsicht einigermaßen gut ist, ist der beste Pilot. Ich denke, was sehr viel ausmacht, ist die mentale Einstellung. Das macht den größten Unterschied. Es gibt sehr viele Piloten, die extrem gut das Gerät beherrschen, aber die dann im Wettbewerb nicht unbedingt immer konstant nach vorne fliegen können. Ab und zu sehe ich auch Piloten, die mit dem Drachen beim Landen unsicher sind, da ist es schwer vorstellbar, dass diese dann doch sehr gut fliegen können. Aber dann im Wettbewerb fliegen sie super gut. Es ist also eine sehr schwierige Frage, weil es sehr viele Faktoren gibt.

Was ist denn eine gute Einstellung beim Fliegen? Welche Einstellung brauche ich, damit ich wirklich erfolgreich bin und tolle Flüge habe?

Wenn es die eine Einstellung gäbe, dann würden wir es in Büchern finden und alle würden versuchen, diese Einstellung zu haben. Ich glaube, das ist bei jedem von uns ein bisschen anders. Das hängt mit der Persönlichkeit zusammen.

Für mich ist es bescheiden zu bleiben. Denn sobald ich denke, dass ich es kann, funktioniert es nicht mehr. Die Bescheidenheit ist für mich immer eines der wichtigsten Wörter beim Fliegen. Denn letztendlich können wir es nicht. Wir probieren es, wir sind aber keine Vögel, wir sind Lebewesen, die am Boden leben sollten. Trotzdem versuchen wir es den Vögeln nachzumachen. Obwohl wir gut fliegen, sind wir immer noch sehr, sehr schwache Flieger.

Das muss uns, glaube ich, immer klar sein. Nur damit bleiben wir in der Einstellung, dass wir bereit sind, immer etwas dazu zu lernen und weiter konstant zu wachsen. Es geht darum Erfahrungen zu sammeln, die uns dann besser machen.

Jetzt komme ich noch mal auf den Film zurück „Lautlos über die Alpen“. Am ersten Tag, bist du weiter geflogen als Steffen. Er ist landen gegangen, weil es für ihn etwas zu dunkel geworden ist. Für dich waren die Bedingungen noch in Ordnung. Woher weißt du, dass es für dich noch passt? Und wann ist für dich der Punkt, andem du sagst „Nee, jetzt gehe ich aber auch landen“?

Das hängt mit der Erfahrung zusammen. Am Anfang, als ich die ersten Jahre geflogen bin, kam ich zweimal nahe an ein Gewitter. Es war näher, als man gehen sollte. Einmal bin ich in Gewitterböen gelandet, und das habe ich nicht vergessen. Du weißt, du hast mit deinem Bonus gespielt, dass es ein zweites Mal gut ausgeht ist nicht gewiss. Ich habe mir vorgenommen, mir das im Kopf einzuprägen, um nicht noch einmal in eine solche Situation zu kommen.

Ein paar Jahre später, bin ich noch ein zweites Mal in solch eine Situation gekommen. Diesmal war es heftiger, weil das Gewitter schneller kam. Ich war hoch in einem Tal und am Ende des Tales sah ich schwarze Wolken. Ich dachte „hm“. Und wenige Minuten später habe ich gesehen, wie schnell das Gewitter ins Tal reinkam und da wusste ich, ich kann hier nicht landen, weil bis ich unten bin dauert's eine Viertelstunde und das geht viel schneller. Ich bin dann ungewollt, aus Sicherheitsgründen, auf Strecke gegangen. Das habe ich auch nie vergessen. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten mit den modernen Wetterberichten. Du weißt heute vorher wie stark die Gewitterneigung ist und ob eine Front in der Nähe ist. Der Rest macht die Erfahrung.

Ich denke oft, wenn einer das Fliegen anfängt, dann braucht er am Anfang auch ein bisschen Glück oder die richtigen Informationen von Piloten, die Erfahrung haben. Doch die eigene Erfahrung prägt sich tief in die Erinnerung ein.

Gibt es auch heute nach vielen Jahren der Erfahrung noch Situationen, in denen du vielleicht unter Stress gerätst oder sogar etwas wie Angst empfindest?

Angst ist das absolut normalste was man beim Fliegen haben muss. Wenn du keine Angst hast, dann bist du gefährlich. Es gibt Bedingungen die für jeden Piloten gefährlich sind. Für so leichte Fluggeräte wie den unseren genauso wie für viel größere Flugzeuge. Die Natur kann einfach viel größer sein als wir, deswegen muss man Angst haben. Auch ich komme immer noch ungewollt in Bedingungen, in denen es ein bisschen zu turbulent ist und ich scheue mich nicht zu sagen „mir gefallen die Turbulenzen nicht“.

Wenn es zu viel bockt, dann habe ich keinen Spaß. Dann denke ich nach, ob ich irgendwo anders hinfliegen kann, um aus dieser Situation zu kommen. Ja, das passiert immer wieder.

Die Frage ist auch, was ist Angst? Wenn ich eine Gefahr erkenne, dann ist das für mich schon Angst. Der gefühlte Angstzeiger geht bei mir schon sehr weit nach oben, das gefällt mir nicht. Dann probier ich die Situation irgendwie zu lösen, dass der Zeiger wieder nach unten geht.

Die Gefahr bei Angst ist, wenn es in Panik umschlägt. Als Pilot solltest du schon wissen, wann es gefährlich ist und wann es in Panik umschlägt. Du solltest vorher schon die Gefahr erkannt haben und landen gehen.

Was machst du, wenn in dir eine Angst aufkommt und der „Zeiger“ nach oben geht?

Das hängt davon ab, welche Situation es ist. Ich kann mich erinnern, ich hatte eine Phase in der ich sehr sensibel gegenüber schwierigen oder turbulente Bedingungen war. Ich weiß nicht warum. Es war mir ja nichts passiert, es gab nicht einen auslösenden Grund dafür. Da ich nicht wußte warum, war es schwierig. Ich habe nicht verstanden, was jetzt mit mir los ist. Wenn ich mit anderen geflogen bin, habe ich versucht mich mit ihnen auszutauschen und zu verstehen, wie sie die Luft empfanden. Dadurch habe ich versucht eine Art Reset zu machen, um meine Baselinie wieder runterzubringen. Irgendwie war sie aus der Balance gekommen. Das hat eine Weile gedauert, denn es ist nichts was du entscheiden kannst. Du hast über deine Gefühle keine komplette Kontrolle. Die Begeisterung für die Fliegerei war und ist viel größer als das Problem. Wenn wir es so nennen können. Mit der Zeit hat es sich dann wieder gelegt. Die sensible Phase war wieder weg.

Du bist dran geblieben und hast dir bewusst gemacht, was das Schöne am Fliegen ist, beispielsweise so über die Dolomiten zu fliegen.

Ja, genau. Letztendlich geht es ja immer darum, dass die positiven Seiten bei uns immer größer sind als die negativen und so entscheiden wir Ja. Beim Fliegen war mir klar „nein, es ist alles viel zu schön, dass ich mich jetzt hier irgendwie konditionieren lasse“.

Es ist noch nicht so schlimm, deswegen konzentrierst du dich aufs Schöne. Und dann irgendwann ging wieder.

Beim Fliegen passiert es auch manchmal, dass wir sogenannte „Fehlentscheidungen“ treffen. Also dass mal vielleicht was nicht so ganz gut funktioniert und dann kann es ja auch passieren, dass man innerlich denkt „oh scheiße, was habe ich ihn da wieder gemacht, jetzt war ich aber blöd, wie konnte ich nur...“, kennst du sowas auch?

Ja.

Wie gehst du mit sowas um? Wie schaffst du es, den Fehler abzuhaken, innerlich und zu sagen „so, das ist jetzt zwar passiert, aber ich schau jetzt wieder nach vorne“.

Jedes mal, wenn ich mich über mich selbst geärgert habe ging's dann runter, das war wie eine Spirale, da ging's nur nach unten. Je mehr ich mich geärgert habe, desto schlimmer wurde die Situation, desto mehr Fehler habe ich gemacht und dann kam es zu kapitalen Fehler, wie absaufen.

Jetzt probiere ich meine Fehler zu ignorieren. Das heißt wenn ich einen Fehler mache, dann sag ich „Ah, okay, das war wahrscheinlich jetzt nicht die klügste Entscheidung, aber jetzt ist sie gemacht. Wie komme ich raus, was kann ich jetzt tun, was ist die nächste Entscheidung? Und dann werde ich heute Abend drüber weinen, aber nicht jetzt!“ Weil jetzt ist diese Situation, ich versuche so zu tun, als ob der Wettbewerb oder der Tag von dort anfängt, wo ich jetzt bin. Jetzt ist die Situation, was ich davor gemacht habe zählt nicht mehr. Der „Fehler“ ist gemacht, doch wie kann ich es jetzt retten? Und somit ist es mir gelungen, die Nerven ein bisschen zu beruhigen und nicht in diese negative Emotionsspirale zu geraten.

Weil wenn du dich ärgerst dann funktioniert es nicht. Zumindest bei mir nicht und ich glaube bei den wenigstens funktioniert das. Sobald man im Ärger drin ist, gehen die Emotionen durch.

Bereitest du dich speziell auf eine Wettbewerb oder Streckenflug vor? - Hast du irgendwelche Routinen oder machst du das situationsabhängig?

Es hängt vom Wettbewerb ab. Auf einer EM oder WM gilt es 12 Tage konzentriert zu bleiben. Deine Energie muss gut verwaltet sein. Deswegen probiere ich mich mental ein bisschen früher einzufliegen. Mein Kopf fängt schon mehrere Tage vor dem Wettbewerbsstart zu denken. Ich visualisiere viele Situationen. Ich fange einfach an in Gedanken zu fliegen. Ich denke über den Wettbewerb nach, was ich mache, was ich noch im Kopf habe, was meine gewöhnlichen Fehler sind, wo ich am meisten Fehler mache. Dann überlege ich, was ich in diesen Situationen mache, „okay, ruhig bleiben, da muss ich aufpassen“. Ich brauche die richtige Einstellung für den Wettbewerb. Gerade am Anfang ist es für mich wichtig, zu wissen, worauf ich aufpassen muss, wenn die Routine noch nicht so da ist. Jeder Wettbewerb hat sein eigenes Leben. Du fängst an, dann kommt langsam eine Routine in Gang. Dann kann es sein, dass du gleich gut bist und deine Position halten möchtest, oder du bist schlecht und möchtest attackieren. Und all diese Situationen lassen sich recht gut visualisieren. Das mag ich, über die verschiedenen Situationen nachzudenken. Wenn Situation A eintritt, dann muss ich darauf aufpassen und bei Situation B auf was anderes.

Manche Piloten nutzen gerade in der Winterzeit Condor, um sich mit dem Flugsimulator für die neue Saison oder Fluggebiete vorzubereiten. Das ist ja auch eine Art der Visualisierung. Nutzt du so etwas auch?

Ich habe davon gehört. Auf der einen Seite fasziniert mich das, auf der anderen Seite. wenn ich zu lange vor dem Computer sitze, dann werde ich nervös, das gefällt mir nicht, das mag ich nicht. Deswegen nutze ich das nicht. Zweitens: mir gefällt es auch sehr, komplett abzuschalten. Das hass ich auf der einen Seite, doch auf der anderen Seite liebe ich es, denn du bekommst danach wieder extreme Lust aufs Fliegen. Die wichtigen Sachen vergisst du ja nicht. Wenn die Pause nicht zu groß ist, dann finde ich, dass die Lust am fliegen eine Art Training fürs Fliegen ist. Weil die Lust zum Fliegen, führt dazu, dass du mehr Fantasie entwickelt. Im Winter denke ich wenig ans Fliegen, aber ich habe gemerkt, dass dies mir nicht so sehr weh tut.

Die ersten paar Flüge im Frühjahr, wenn ich wieder anfange, fühle ich mich schon rostig aber das geht ziemlich schnell weg. Die Lust aufs Fliegen ist für mich wichtig.

Wie viele Stunden fliegst du so ungefähr im Jahr?

Als ich sehr viel geflogen bin war ich auf 180, nicht ganz 200. Aber jetzt die letzten zwei Jahre bin ich sehr wenig geflogen, da bin ich wahrscheinlich knapp über die 100 Stunden geflogen. Das ist extrem wenig.

Ein Wettbewerb, wie die EM oder WM über 12 Tage, ist eine ziemlich anstrengende Zeit. In der Zeit ist auch alles ziemlich durchgetaktet, wie sorgst du während so einem Wettbewerb für ausreichend Erholung?

Ich habe gelernt, dass es sehr wichtig ist fit zu sein. Fit erholst du dich am schnellsten und eine gewisse Kondition hilft. Mein Glück ist, ich mache gerne Sport. Beruflich bin ich das Ganze Jahr schon in Bewegung und habe dadurch eine gewisse Basis. Eine Basis ist etwas Kondition zu haben und dann probiere ich die Energien richtig einzuteilen. Mit der Zeit habe ich gelernt, früh ins Bett zu gehen, länger zu schlafen. Früher dachte ich, dass wäre nicht so wichtig. Doch das spielt eine große Rolle. Ich habe mich besser kennengelertn und kann mich jetzt viel besser einschätzen, wie ich bin und ob ich heute Abend ein bisschen früher ins Bett gehen sollte.

Welchen Sport machst du neben dem Drachenfliegen?

Im Winter bin ich Skilehrer. Dazwischen gehe ich ab und zu auf Skitouren. Im Sommer arbeite ich als Mountainbikführer und gehe sowieso viel in die Berge.

Früher bist du auch Sik-Du-Rennen gefahren, machst du das immer noch?

Leider nicht mehr. Das ist ein harter Sport und da spielt das Alter eine große Rolle.

Ich habe immer gesagt ich fahre, so lange ich es kann und so lange es mir Spaß macht. Spaß hätte ich immer noch, aber ich habe gemerkt, dass mein Körper das nicht mehr so mitmacht. Ich habe verstanden, wenn ich jetzt weiter fahre, dann vergrößert isch das Verletzungsrisiko.

Für die Kondition war das perfekt, denn ich musste im Herbst wirklich sehr hart trainieren und das habe ich praktisch für das ganze Jahr mitgenommen.

Du hast mir gesagt, wenn du schlecht bist, lernst du von den anderen und wenn du besser bist, dann können die anderen von dir lernen. Als sechsfacher Weltmeister, können die anderen viel von dir lernen, aber was motiviert dich weiter zu machen?

Weltmeister zu werden war ein großer Traum, aber es war nie mein Ziel im Sinne von einem Hauptziel. Mein Hauptziel war es das Fliegen zu genießen, dazu zu lernen, etwas Neues zu erleben. Beim Fliegen erlebst du immer etwas Neues. Solange mir das Fliegen diese schöne Emotionen gibt, habe ich die Motivation. Wenn ich jetzt auf eine WM gehe, spüre ich nicht mehr den Druck, denn ich noch vor zwei Jahren hatte, denn ich habe ein paar gewonnen. Wenn ich jetzt nicht gewinne, ist das kein Problem, es stürzt nicht die Welt ab. Dieses Gefühl hilft natürlich. Für mich ist das Stressmanagement jetzt wahrscheinlich leichter. Ich nehme es etwas lockerer, obwohl bei den letzten Tagen geht der Stress immer noch nach oben, das ist interessant.

Die Motivation hat für mich was mit dem Spaß zu tun, nicht so viel mit dem Wettbewerb an sich.

Du bist auch DHV-Testpilot. Wie muss ich mir denn so deine Arbeit als der DHV-Testpilot vorstellen?

In der Drachenfliegerei ist nicht einmal halb so viel los ist wie in der Schirmfliegerei, deswegen ist meine Arbeit ziemlich langweilig vom Rhythmus her. Wir haben nicht so viele Drachen zum Testen. Für mich ist die eine Seite die Drachen in die Luft testen, mache ich mein Programm, bei der ich die Drachen bewerten muss. Die andere Seite ist am Boden, bei der ich in der Technik die Flugmechanik mitmache.

Hier werden die Daten auf den Messwagen gestellt. Wie schauen dann, wie die Daten sind. Ob die Festigkeit der Drachen passen und wie viel die Drachen aushalten, was sie aushalten müssen.

Durch die Arbeit beim DHV konnte ich meine Kenntnis erhöhen. Davor bin nur mit meinen eigenen Drachen geflogen. Beim Testen habe ich vielmehr die Technik kennengelernt und auch andere Geräte kennengelernt. Gerade Anfänger- und Intermediatedrachen, dich so nie mehr geflogen bin. Das finde ich sehr schön um den Überblick auf unseren Sport zu behalten, Anfänger trachten, Inter geht und so die ich eigentlich nie mehr flog und das fand ich sehr sehr schön um eigentlich auch den überblick auf unseren Sport zu haben. Meine Kenntnisse haben sich dadurch abgerundet. Das hat meinen Horizont erweitert.

Welchen Tipp würdest du einem Anfänger geben, der das Drachenfliegen für sich entdeckt hat?

Als Anfänger brauchst du ein paar große Kumpels. Du brauchst jemanden, der Erfahrung hat und der altruistisch genug ist, dir das weitergeben zu wollen. Ich ich finde das ist sehr wichtig. Wenn du alleine alles lernen musst, dann ist der Weg zu lang. Außerdem kann er auch gefährlich sein. Mit dem Schein kannst du fliegen, aber die Fliegerei ist noch sehr viel größer, als das was du gelernt hast. Wenn jemand mit mehr Erfahrung dir ab und zu sagt, worauf du aufpassen musst oder welche Dinge du locker nehmen kannst, dann kann das sehr hilfreich sein. Mein Tipp ist also jemanden zu finden der einen an die Hand nimmt und dann mit Spaß ausprobieren, auf der sicheren Seite bleiben und nicht zu viel Gas geben.

Es gibt viele, die anfangen und dann sehr schnell sehr viel lernen wollen. Beim Fliegen braucht man Zeit, und wenn man sich ein bisschen mehr Zeit nimmt, ist es viel besser. Ein zu großer Schritt kann zu einem riskanten Fehler führen. Eine negative Erfahrung am Anfang kann das Ende der Fliegerei bedeuten. Gerade am Anfang fließt sehr viel in die Flugbegeisterung ein.

Du kennst bestimmt auch Piloten, die das Fliegen aufgehört haben, weil sie zu früh einen Klapper einkassiert haben.

Ja, klar. Ein großes Schreckerlebnis, auch wenn gar nicht viel passiert ist, kann dazu führen, dass du das Fliegen komplett aufhörst. Beim Gleitschirmfliegen gibt es viele junge Piloten, die extrem gut im Wettbewerb mitfliegen. Auf der anderen Seite gibt es ältere, erfahrenere Piloten, wie Pepe Malecki, die ebenfalls sehr gut im Wettbewerb sind. Ich denke die Erfahrung kann einiges von dem jugendlichen Enthusiasmus ausgleichen, oder wie siehst du das?

Aus meiner Sicht macht eindeutig die Erfahrung das gute Fliegen aus. Im Drachenwettbewerb kann ein junger Pilot vielleicht an einem Tag extrem stark fliegen, aber sobald die Wettbewerbe länger werden, 3-6 Tage, dann siehst du ganz klar, dass die Erfahrung wichtig ist. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist beim Fliegen so groß, dass je mehr Erfahrung du hast, desto bessere Entscheidungen kannst du treffen. Du musst einfach viel geflogen sein.

Wirklich gute Piloten, die jung sind, ist extrem selten.

Das macht Hoffnung, dass wir auch weiterhin gute Flüge haben könne ;-)

Wir haben das Glück, dass das Fliegen nicht altersbeschränkt ist.

Gibt es noch etwas was du gerne mit uns teilen möchtest?

Vielleicht eine Geschichte, die ich immer gerne erzähle. Ich habe meine erste WM habe ich mit 25 Jahren gewonnen. Ich wusste, das Alter passt mit der Leistung nicht so wirklich zusammen. Mir war klar, der einzige Weg um herauszufinden, ob ich wirklich schon so gut bin, ist eine zweite zu gewinnen. Das Jahr darauf wurde ich zweiter, zwei Jahre später wieder zweiter, noch einmal zwei Jahre später - dritter. Und dann habe ich mir gesagt, “ok, jetzt habe ich verstanden, ich bin zwar gut, aber zum Gewinnen in Serie fehlt noch etwas, ich hatte also in 2001 Glück”.

Bei der WM 2008 in Italien habe ich mir dann gesagt, hier mache ich nur mit um Urlaub zu machen und Spaß mit Freunden zu haben. Und dann habe ich fast jeden Tag gewonnen. In dem Moment habe ich verstanden, das Siegen wollen, war mein “Gefängnis” aus dem ich nicht rauskam. Ich war ja immer nah dran, doch es hat ein bisschen gefehlt. Und als ich mich auf den Spaß konzentriert haben, hat es auf einmal geklappt. Das ist einer meiner größten Lehren – Wenn du nur für die Medaille fliegst, klappt es nicht.

Ich finde das sehr schön, dass du das sagst, denn das ist das, was ich auch meinen Seminarteilnehmern immer wieder sage, doch wenn du, als sechsfacher Weltmeister das sagst, dann glaubt mir das vielleicht auch mal jemand!

Das habe ich von Guido Germann gelernt. Er war ein super Typ und guter Freund. Er hat immer mit seiner Art und Weise wie er gelebt hat gezeigt, dass der Spaß das wichtigste ist. Ich habe versucht von seiner extrem positiven Einstellung zu lernen. So etwas ist sehr selten zu finden.

Ich habe ihn leider nie persönlich kennengelernt.

Vielen DANK Alex, ich wünsche dir alles Gute!

 


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Letzte Änderung am Donnerstag, 21 Dezember 2023 15:50
Yvonne Dathe

Psychologin (M.Sc.) • Dipl. Betriebswirtin • Gleitschirm-Fluglehrerin

Seit 1994 fliegt Yvonne leidenschaftlich mit dem Gleitschirm. Sie schreibt über das Fliegen, das ACTive Leben und bietet psychologische Beratung an: Mentales Training • Stressige Situationen und Krisen meistern. Ihr Motto ist "Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen!"

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