Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen...

Freitag, 08 Oktober 2021 15:27

Dein Kopf der große Geschichtenerzähler

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Kopf der Geschichtenerzähler, Gedanken, Worte Kopf der Geschichtenerzähler, Gedanken, Worte KELLEPICS, pixabay

Stell dir vor du kommst in die Küche und riechst den Duft eines frisch gebackenen Marmorkuchens. Du nimmst dir ein Messer und schneidest ein Stück dieses köstlich duftenden Kuchens heraus, hälts das Stück unter die Nase, atmest den Duft ein. Dann machst du den Mund auf und beißt genüsslich in das Stück.

 

 

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Was passiert, wenn du das hörst?

 

Vielleicht hast du vor deinem inneren Auge den Kuchen gesehen oder die Struktur des Kuchens gespürt oder den Duft gerochen? Vielleicht ist dir sogar das Wasser im Mund zusammen gelaufen. Trotzdem war der Kuchen nicht hier.

 

Das gleiche passiert, wenn du ein spannendes Buch liest. Du siehst nur Wörter vor dir. Doch wenn du ganz aufmerksam liest, kann es sein, dass du in die Geschichte eintauchst. Plötzlich siehst und hörst du die Hauptpersonen aus dem Buch vor deinem inneren Auge. Du kannst mit den Personen der Geschichte mitfühlen. Wenn sie in Gefahr sind, spannen sich auch deine Muskeln an. Wenn sie etwas trauriges Erleben, laufen dir vielleicht sogar Tränen über die Wangen. Und trotzdem ist alles was du vor dir siehst nur Buchstaben und Druckerschwärze. Zusammen bilden Sie Wörter, die das alles bei dir auslösen können.

 

Was sind Wörter?

 

Das menschliche Zusammenleben funktioniert gut, da wir Wörter verwenden um uns zu verständigen. Wörter sind im Grunde komplexe Systeme uns Symbole. Als kleines Kind verwenden unsere Eltern sehr viel Zeit damit, dass wir die Bedeutung von Wörtern lernen. Sie sagen unzählige Male, das ist Mama, das ist Papa, das ist ein Hund. Und so lernen wir langsam die Bedeutung von Wörtern und wissen worauf sich ein Wort bezieht. Ein Hund bezieht sich auf eine bestimmte Art von Tieren. Das spanische Wort „perro“ oder das englische Wort „dog“ beziehen sich auf die selbe Art von Tieren. Wenn wir die Bedeutung eines Wortes kennen, wissen wir was gemeint ist. Kennen wir die Bedeutung nicht, dann verstehen wir auch nichts. Selbst zu abstrakten Dingen, wie dem Tod, der Zeit, Orte, die nur in Märchen existieren können durch Worte symbolisiert werden.

 

Worte werden von uns in unterschiedlichsten Situationen verwendet. Wenn wir sprechen, zuhören, schreiben oder denken. Worte die auf einer Seite geschrieben sind, sind ein Text. Worte, die jemand vorträgt, sind eine Rede und Worte in unserem Kopf sind Gedanken.

 

Eng mit Worten verbunden sind Bilder. Wenn ich dich bitte, dir vorzustellen, dass du im Sommer unter einem Baum liegst, wird sich unweigerlich auch ein Bild in deinem Kopf erscheinen. Doch Bilder sind keine Gedanken, dass sind eher Ansichten in deinem Kopf. Vielleicht wirst du auch etwas fühlen, wenn du dir vorstellst du liegst unter einem Baum. Das sind aber auch keine Gedanken, hier sprechen wir eher von Empfindungen. Sowohl Bilder als auch Empfindungen sind eng mit Gedanken verbunden. Doch Gedanken sind die Worte in unserem Kopf, also z.B. „Ich werde unter einem Apfelbaum liegen“.

 

Gedanken können sehr hilfreich sein, wenn wir beispielsweise Wissen vermitteln möchten, wenn wir etwas lernen möchten, wenn wir uns über unsere Erfahrungen austauschen möchten oder uns organisieren möchten, dann sind Gedanken und Worte sehr hilfreich.

 

Gedanken erzählen uns Geschichten aus unserer Vergangenheit oder einer möglichen Zukunft. Gedanken erzählen uns auch Geschichten darüber, wie wir Leben sollten, was wir zu tun oder zu lassen haben.

Dennoch sind Gedanken nur Worte.

 

In der ACT (Akzeptanz und Commitment Therapie) wird hier vom Geschichtenerzähler im Kopf gesprochen. Manchmal werden uns wahre Geschichten (einer realen Tatsache) erzählt, manchmal sind die Geschichten falsch. Häufig sind es aber einfach auch nur Meinungen, Theorien, Urteile oder andere Dinge, wie wir das Leben um uns herum wahrnehmen.

 

In der ACT geht es nicht darum, ob eine Geschichte wahr oder falsch ist. Es geht auch nicht darum, ob diese Geschichte positiv oder negativ ist. Sondern es geht darum, ob ein Gedanke, eine Geschichte hilfreich für uns und unser Leben ist. Negative Geschichten, können durchaus auch hilfreich sein. Wenn sie dazu führen, dass wir etwas unterlassen, was unserer Gesundheit schadet, dann ist dies eine hilfreiche Geschichte. Oder wenn die Geschichte dazu führt, dass wir ein Leben nach unseren Werten und Zielen folgen, dann ist dies eine hilfreiche Geschichte.

 

Eine Geschichte ist nicht die Realität

 

Wichtig ist festzuhalten, dass Geschichten nicht die Realität sind. Nehmen wir mal an, es fand in deinem Ort ein Autounfall statt. Es gibt einige Augenzeugen und auch in der Tageszeitung wird davon berichtet. Aus der Untersuchung von Zeugenaussagen ist bekannt, dass bereits nach wenigen Stunden sich die Aussagen erheblich unterscheiden können. Zeugenaussagen sind sehr Anfällig für Verzerrungen durch im Nachhinein hinzugekommene Informationen. Es kann sogar sein, dass sich die Augenzeugen nicht einmal mehr an die richtige Farbe der Autos erinnern. Je nachdem worauf sich die Augenzeugen konzentrierten und was sie nach dem Beobachten des Unfalls erlebt haben, wird sich die Aussage verändern. Daher ist es den Polizisten wichtig, möglichst bald nach einem Ereignis die Zeugen zu befragen. Ähnlich verhält es sich mit dem Zeitungsbericht. So ein Bericht entspricht auch nicht zu 100% der Realität. Je nach Ansicht des Journalisten oder dem was der Journalist herausgefunden hat, wird sich die Geschichte von der Realität unterscheiden.

 

Wenn uns eine Geschichte in der Zeitung nicht interessiert oder wir meinen, sie entspricht wenig der Realität, dann blättern wir einfach um und lesen einen anderen Artikel. Das leuchtet dir wahrscheinlich ein. Doch bei unseren Gedanken im Kopf nehmen wir häufig an, es sei anders. Oft sind wir davon überzeugt, dass die Geschichten, die uns im Kopf erzählt werden die absolute Wahrheit sind, deshalb müssen wir uns voll und ganz darauf konzentrieren. Diese Reaktion wird in der ACT als Fusion bezeichnet.

 

Was bedeutet Fusion?

 

Fusion ist, wenn zwei Dinge miteinander verschmelzen. So also würde ich zwei Dinge mit einem Sekundenkleber zusammenkleben und zu einem Objekt werden.

 

Wenn wir mit Gedanken fusionieren, dann gehen wir davon aus, dass dieser Gedanke die Wahrheit erzählt und wir danach handeln müssen. Steven C. Hayes (2020) spricht dann vom inneren Diktator. Taucht dann ein Gedanke auf, wie „ich bin zu blöd dafür“ oder „ich werde versagen“, dann glauben wir das und sind davon überzeugt tatsächlich zu versagen.

 

Wie kannst du dich von Gedanken distanzieren

 

Doch die Gedanken in unserem Kopf sind auch nur Geschichten, die automatisch erzählt werden und sich auch immer wieder wiederholen.

 

Eine Möglichkeit, um sich von der Fusion zu befreien, ist, wenn du merkst, dass ein nicht hilfreicher Gedanke auftaucht, du zu dir sagt: „Ich haben den Gedanken ….“ und dann beobachte was passiert.

 

Du kannst das ganze noch etwas steigern, in dem du zu dir sagst: „ich merke, dass ich den Gedanken …. habe“. Beobachte wieder was passiert.

 

Vermutlich hast du bemerkt, dass der Gedanke sich spürbar entfernt hat. Du hast es geschafft innerlich im wahrsten Sinne des Wortes eine Distanz zu schaffen. Du kannst dies bei jedem unliebsamen Gedanken anwenden. Wenn du den Gedanken hast „ich werde versagen“, dann nimm das zur Kenntniss und sage innerlich „Ich habe den Gedanken, dass ich versagen werde“.

 

Durch die Hinzufügung ist es weniger wahrscheinlich, dass du dich von dem Gedanken herunterziehen lässt und du kannst sehen, was Gedanken wirklich sind – Worte.

 

Es gibt noch weitere Möglichkeiten Gedanken zu entschärfen, doch das ist eine wirkungsvolle und leicht anzuwendende Technik, die ich dir empfehle immer dann anzuwenden, wenn du dich von einem Gedanken zu sehr eingenommen fühlst.

 

Ich hoffe du hast auch erkannt, dass Gedanken keine Befehle sind, denen du unreflektiert gehorchen musst. Gedanken sind keine Bedrohung, es sind einfach nur Geschichten, wie die Geschichten der Brüder Grimm. Gedanken werden nur zum Problem, wenn wir mit ihnen verschmelzen und davon überzeugt sind, dass sie wahr sind.

 


 
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Literaturempfehlung:

- Russ Harris: Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei!

- Steven C. Hayes: Kurswechsel im Kopf

Gelesen 272 mal Letzte Änderung am Freitag, 08 Oktober 2021 15:48
Yvonne Dathe

Psychologin (M.Sc.) • Dipl. Betriebswirtin • Gleitschirm-Fluglehrerin

Seit 1994 fliegt Yvonne leidenschaftlich mit dem Gleitschirm. Sie schreibt über das Fliegen, das ACTive Leben und bietet psychologische Beratung an: Mentales Training • Stressige Situationen und Krisen meistern. Ihr Motto ist "Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen!"

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