Sport- und Gesundheitspsychologie • Yvonne Dathe

Anna Berger
Anna Berger

Interview mit Anna Berger - Fliegen genießen: Spaß statt Frust und Vergleiche

Anna Berger ist die Social Media Beauftragte vom Paragliding World Cup und hat vor kurzem das Wettbewerbsfliegen für sich entdeckt. In dem Interview berichtet sie, wie ihr der Vergleich mit anderen, die Freude am Fliegen vermiest hat und wie sie das Fliegen ohne diese Vergleiche genießen kann.

 

 

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Kontakt zu Anna Berger:

https://www.instagram.com/bienibani/

 


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 Transkript zum Interview:

 

Vielen Dank Anna, dass du dir Zeit nimmst für ein kleines Interview. Ich habe mir vorhin gerade noch mal deinen Instagram-Account angeschaut. Es ist sehr beeindruckend, wo du überall mit deinem Gleitschirm schon warst. Für mich warst du bis vor kurzem unbekannt. Wie bist du zum Gleitschirmfliegen gekommen?

Hallo! Erstmal danke, dass ich da sein darf. Ich glaube tatsächlich, dass ich für die meisten Menschen unbekannt bin. Das war relativ lustig, wie ich zum Gleitschirmfliegen gekommen bin. Irgendwann vor sechs oder sieben Jahren habe ich auf YouTube gesehen, wie jemand mit seinem Hund geflogen ist und dachte mir, dass ich gerne auch mit meinem Hund fliegen möchte. Ich wollte generell schon immer gern mit einem Flugzeug fliegen – die Starts und Landungen und generell einfach dieses „da oben sein“ und so weit weg sein von allem haben mich begeistert. Irgendwie dachte ich, das ist super, dann mache ich jetzt direkt einen Schnupperkurs und kann dann mit meinem Hund fliegen.

Als ich dann den Kurs gemacht habe, war der erste Tag eine Katastrophe. Mich hat's nur geschmissen. Ich habe es kein einziges Mal geschafft, den Schirm aufzuziehen. Nach fünf komplett katastrophalen Startabbrüchen, bei denen es mich jedes Mal durch den Schlamm gezogen hat, schaffte ich es zum erste Mal, dass ich 2 Meter abgehoben bin. Ab dann war es einfach komplett vorbei. Mein ganzes Leben ging ab sofort nur noch ums Gleitschirmfliegen.

Ich habe relativ schnell den Plan verworfen, mit meinem Hund zu fliegen, weil ich ganz schnell gemerkt habe, dass das erstmal nichts wird. Aber ich bin selber total beim Gleitschirmfliegen hängen geblieben und würde schon sagen, dass sich die letzten sechs Jahre mein Leben mehr oder weniger nur ums Gleitschirmfliegen gedreht hat.

Du hast also vor sechs Jahren diesen Grundkurs gemacht?

Ich glaube vor sechs Jahren – vielleicht sind es auch sieben Jahre? - Nein, eher sechs Jahre.

Du hast gesagt, du hast es mit dem Hund-Fliegen verworfen. Das war wohl eine gute Entscheidung, denn um einen Hund mitnehmen zu können, braucht es erst mal ein bisschen Routine und es muss alles klappen. Erst wenn Starten und Landen sicher funktioniert, macht es Sinn, den Hund mitzunehmen.

Mein alter Hund ist nach etwa drei Jahren nach meinem Flugstart verstorben. Er hatte am Schluss viel Krebs und so weiter. Da war das eh total hinfällig, ihn dann mit auf den Berg zunehmen. Aber ich habe jetzt wieder einen Hund und plane schon, irgendwann mal mit ihm zu fliegen.

Aber jetzt ist auch schon so viel Zeit vergangen und ich traue mir starten und landen einigermaßen sicher zu.

Ich habe gesehen, du hast ein paar Wettbewerbe mitgemacht. Im Civil Ranking stehen gerade mal drei Ergebnisse von dir drin, aber du bist in der Weltrangliste doch relativ weit vorne. Das ist schon beeindruckend. Bei den Flymaster Open, wurdest du 17. overall.

Das war mein erster Wettbewerb, den ich jemals gemacht habe. Ja, ich habe meine ersten drei Wettbewerbe gemacht, also die ersten drei Streckenflug-Wettbewerbe. Davor hatte ich nur drei Hike & Fly-Wettbewerbe gemacht. Genau, meine ersten drei Streckenflug-Wettbewerbe – und das war relativ überraschend für mich und ich glaube für jeden anderen auch, dass es so gut funktioniert hat. Meine Erwartungen waren eigentlich sehr niedrig.

Wolltest du einfach nur mitmachen oder was war deine Motivation?

Das fing damit an, dass ich ins mazedonische Nationalteam gekommen bin und logischerweise dann mal Wettbewerb fliegen und das lernen musste. Dann sagte ich zu mir: „Okay, dann mache ich jetzt einfach diese drei Wettbewerbe in Krushevo in einem Rutsch“. Diese plante ich mehr oder weniger als Trainingslager, damit ich mir das in Ruhe anschauen kann und in gewohnter Umgebung ohne Stress einfach mal drei Wettbewerbe fliege. Ich bin dann mehr oder weniger ohne Erwartungshaltung mitgeflogen und es hat mir so viel Spaß gemacht, das hätte ich nie gedacht.

Ehrlich gesagt dachte ich, dass es mir gar keinen Spaß machen würde. Ich war ja schon bei vielen Wettbewerben arbeitstechnisch dabei und habe dort immer die Social-Media-Betreuung für den World Cup gemacht.

Wenn man das von außen sieht, wartet man ewig am Startplatz oben, dann muss man diesen Task fliegen – das ist doch total langweilig.

Ich konnte mir nichts Langweiligeres vorstellen. Und als ich dann selbst das erste Mal erlebt habe, war das so spannend und hat einfach so viel Spaß gemacht. Nach dem Start erstmal am Startplatz zu schauen, wo die Luft steigt, wie ich gerade der Höchste sein kann, wie ich am wenigsten Höhe verliere – und dann nach dem Start siehst du die ganzen Schirme vor dir, manche sinken, andere steigen wieder, und dann die Linienwahl, um dran zu bleiben, wie schnell fliegen die anderen gerade, wie kann ich da hinterherkommen.

Ich hatte da auch noch einen Zeno in kleiner Größe und es war relativ hart, dran zu bleiben. Aber das hat so viel Spaß gemacht und die Zeit verging so schnell. Total überraschend hat mich das richtig gepackt.

Ich kenn das. Mir macht das Wettbewerbsfliegen auch total viel Spaß, weil es eben auch spannend ist, mit den anderen zu fliegen. Man sieht sofort, wo man Fehler macht und wo nicht. Das ist schon aufregend.

Ja, also vorher dachte ich immer: „Ach, das ist nichts für mich.“ Und dann war es doch anders. 

Dein Weg ganz außergewöhnlich. Du hast gesagt, du bist ins Nationalteam von Mazedonien gekommen und musstest dann Wettbewerbe fliegen. Wie kommt man denn ins Nationalteam von Mazedonien, ohne vorher Wettbewerbe geflogen zu sein?

Das ist tatsächlich ziemlich lustig. Also, keine Ahnung – ich habe durch meine Arbeit beim World Cup viele Kollegen aus Mazedonien kennengelernt. Wir saßen abends oft zusammen und haben geplaudert. Sie haben erzählt, wie es bei der letzten Europameisterschaft war und dass sie gern ein Mädchen im Team hätten fürs Ranking. Es gibt Aufgaben, bei denen vorne Leute landen, und dann wäre es toll, jemanden in der zweiten Gruppe zu haben, der noch Punkte macht.

Ich habe zum Spaß gesagt: „Wenn ihr mal jemanden braucht, sagt Bescheid.“ Eigentlich total im Spaß – ich hatte ja noch nie einen Wettbewerb geflogen. Die fanden die Idee gut und so entwickelte sich das langsam zu einem soliden Plan. Es hat zwar ein bisschen gedauert, bis Lizenzen und Formalitäten geregelt waren, aber für mich war das vor allem Spaß. Ich dachte gar nicht, dass das von Interesse sein könnte, weil ich ja keine Erfahrung hatte und damit zu rechnen war, dass ich am Anfang schlecht bin.

Du scheinst jedenfalls Talent zu haben. 

Vielleicht war es auch Glück. Ich weiß nicht genau.

Du hast gesagt, die Flymaster Open war dein erster Wettbewerb. Dann bist du noch bei den Nordic Open mit geflogen und wurdest 18. Overall. Und bei den British und Dutch Open bist du 40. Overall geworden. Das sind richtig gute Ergebnisse mit starken Piloten.Ich glaube nicht, dass es "nur Glück“ war. 

Je besser das Niveau beim Wettbewerb war, desto einfacher fand ich es zu fliegen – weil die führende Gruppe definierter ist und es einfacher ist, sich zu orientieren.

Bei den Nordic Open fand ich es schwierig, weil das Wetter nicht ganz einfach war und es nicht so viele richtig gute Piloten gab. Die Gruppe war viel unruhiger und man konnte nicht so gut folgen. Das machte es schwerer mitzufliegen.

Wie bist du denn überhaupt nach Mazedonien gekommen? Du fliegst ja häufig dort, bist aber aus dem Bayerischen Wald. Wie kam das?

Das hängt vor allem mit meiner Arbeit zusammen. Ich arbeite seit zwei oder drei Jahren beim World Cup und viele meiner Arbeitskollegen kommen aus Mazedonien. Dadurch habe ich viel Kontakt zu ihnen und bekomme dort auch mehr Coaching und Tipps als anderswo. Deshalb fiel die Wahl bei den drei Wettbewerben auf Mazedonien.

Wie bist du zum World Cup gekommen? Als Nicht-Wettbewerbsfliegerin beim World Cup zu arbeiten ist ja ungewöhnlich.

Ja, der Fokus wurde damals mehr auf Social Media gelegt und sie suchten jemanden für die Berichterstattung. Ich habe mich ganz normal beworben und durch meine Social-Media-Erfahrung sowie meine Arbeit als Grafikdesignerin passte ich gut ins Team. Auch wenn ich keine Wettbewerbserfahrung hatte, lernte ich dann worum es geht.

Arbeitest du noch als Grafikdesignerin oder ist der World Cup dein Hauptjob?

Ich arbeite nicht mit einer festen Stundenzahl beim World Cup, sondern bin während den Veranstaltungen dabei und mache außerhalb immer mal wieder etwas – aber das ist eher geringfügig.

Was war denn bisher dein beeindruckendstes Flugerlebnis?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, eines der krassesten Erlebnisse war, als wir in den USA waren. Logan Walters, ein Helikopterpilot, hat uns mit dem Helikopter zu ganz abgelegenen Orten gebracht. Von dort sind wir gestartet, dann in der Wüste gelandet und er hat uns wieder abgeholt. So etwas kann man eigentlich nie machen, wenn sich das nicht ergibt.

Aber ansonsten finde ich oft die kleineren Flüge am schönsten, zum Beispiel bei Sonnenuntergängen mit schönen Wolken. Das sind eigentlich meine Lieblingsflüge. Lange Flüge fand ich persönlich nie so toll, die sind eher anstrengend.

Warum magst du lange Flüge nicht so sehr?

Die langen Flüge sind tagsüber zur besten Zeit, da ist das Licht für mich nicht so spektakulär. Ich finde das Gesamterlebnis nicht so einzigartig wie bei Sonnenuntergangsflügen oder wenn es schön ruhig wird. Ich habe einmal einen längeren Flug um den Mont Blanc gemacht, der war mehr zum Anschauen und genießen, solche Flüge mag ich lieber. Das ist auch der Grund warum ich diesen Sport ausübe.

Punkte sammeln oder lange Strecken, z. B. 300 km  fliegen, dafür kann ich mich nicht begeistern. 

Vielleicht kommt das irgendwann noch.

Ich glaub, das auch – beim Wettbewerbsfliegen ist es ja ähnlich. Am Anfang hat man wenig Spaß daran, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und will mehr. Ich kenne einige Leute, die außerhalb von Wettbewerben gar nicht fliegen, weil es ihnen zu langweilig ist. Das kann ich aktuell nicht nachvollziehen. Man gewöhnt sich an viele Sachen.

Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Wenn ich eine Zeit wegen Wind und Wetter nicht geflogen bin, dann bin auch wieder leicht nervös am Startplatz. So brauche ich die Routine, um drin zu bleiben und Spaß zu haben. Empfindest du das ähnlich oder wie gehst du mit Flugpausen um?

Ich arbeite aktuell daran, gelassener zu sein. Es hatte bei mir ausgeartet. Ich wurde früher depressiv und dachte „ich muss jetzt fliegen!“. Wenn das Wetter schlecht ist, dann ist es halt so. Ich versuche dann nicht ständig auf Instagram zu schauen, um zu sehen wo andere in Südafrika oder Kolumbien fliegen. Weil da bin ich im Moment einfach nicht und es ist auch OK. 

Im Sommer hatte ich auch eine Zeit von 2-3 Monaten, an denen ich ständig am Fliegen war und andere vielleicht nicht. Der Vergleich findet ja leider im im Jetzt statt und da kann schnell der Gedanke auftauchen „ich sitzt jetzt hier im Flachland, die anderen fliegen, verpass ich da was?!“. Aber das stimmt ja nicht. Ich konnte im Sommer viel fliegen und andere nicht und jetzt sind eben andere beim fliegen und ich aktuell nicht. Ich versuche mich von diesem ständigen Vergleichen zu distanzieren, denn das nimmt mir so viel Freude.

Das ist ein Problem von den Social Media Kanäle. Ich darf mich natürlich freuen, wenn ich eine schöne Zeit habe, ich brauch mich aber auch nicht ärgern, wenn ich arbeite und andere eine schöne Zeit erleben. 

Ja, genau. Was in Social Media gezeigt wird ist nicht die Realität. Es ist nie die Realität. Ich poste viel auf Social Media, aber man kann die Realität nicht zeigen. Man kann immer nur ein Bild zeigen. Viele sagen zu mir „du bist ja jeden Tab beim Fliegen“, aber nein, das stimmt nicht. Nur es sieht keiner, wenn ich acht Stunden gearbeitet habe und am Abend einen zehn Minuten Abgleiter gemacht habe. Dann heißt es gleich „du warst den ganzen Tag fliegen“. Nur der restliche Tag war für andere nicht sichtbar. Daher schaut vieles spektakulärer, schöner oder mehr aus, als es ist. Auf der anderen Seite, sind manche Dinge viel schöner, als sie auf einem Bild erscheinen. 

Es ist halt immer nur ein kleiner Ausschnitt der abgebildet wird. Aber die Realität ist noch viel mehr außen herum.

Es sagt sich so leicht, man solle sich nicht vergleichen. Doch ich vergleich mich oft sehr stark, was sehr schade ist. 

Du nimmst auch an Hike & Fly Wettbewerben teil. Wie bist du denn dazu gekommen?

Ich dachte immer, dass Hike & Fly eher mein Sport ist. Ich habe mir nach meinem ersten A-Schirm einen Hike & Fly Schirm gekauft, weil auch mein Freundeskreis Hike & Fly fokussiert ist. Ich hab dann mal an drei Wettbewerben teilgenommen, das war richtig schön. Vielleicht mache ich auch mal irgendwelche. Im Moment habe ich keine Motivation dazu. Hike & Fly Wettbewerbe sind auch sehr aufwendig. Du brauchst einen Supporter. Ich hab nur ein kleines Auto, also muss ich jemanden finden, der einen Van hat oder einen Transporter. Es hängt einfach so viel dran, dass es für mich schwer in meinen Alltag integrierbar ist. Streckenflugwettbewerbe sind einfacher zu organisieren. Die dauern zwar eine Woche, aber du brauchst dann außer deiner Ausrüstung nicht. Keinen der dir hilft.

Dann wären vielleicht so ein-Tages-Bewerbe, wie die Spießer Trophy etwas für dich?

Ja, so etwas wäre vielmehr meins. 

Was sind denn für die herausfordernde Situationen beim Fliegen?

Was mich sehr verunsichert, sind Gewitter. Wenn irgendwo gewitterähnliche Wolken sind, gehe ich nicht fliegen - zumindest nicht allein. Weil ich mich damit zu wenig auskenne, um das abschätzen zu können. Viel Wind fordert mich auch. Ich kann zwar gut bei viel Wind starten, doch zu Beginn hatte ich mal ein Erlebnis in Kolumbien. Ich flog mit einem Freund im Tandem und beim Landen kam die Seebrise rein. Mit dem Tandem bei viel Wind landen ist kein Spaß. Uns hat es dann 200 m über den Acker gezogen. Seither habe ich Respekt vor Wind. Starten ist OK, aber beim Landen ist es eher unangenehm. 

Aber ansonsten bin ich relativ unerschrocken. 

Wie gehst du jetzt mit viel Wind beim Landen um? Es kann ja schon immer mal sein, dass der Talwind stark ist und du bei viel Wind landen musst.

In dem Moment bin ich dann gut darin, fokussiert zu sein. Ich merke dass ich nervös bin und schaue wo ich sicher landen kann. Ich suche mir große Flächen und versuche das Risiko für Schlimmeres zu reduzieren. Am Anfang bin ich vollbeschleunigt gelandet. Doch einmal habe ich dann einen Klapper einkassiert, weil es am Boden doch turbulent wird. Also das mache ich jetzt auch nicht mehr. 

Wenn ich in einer schwierigen Situation bin, dann mache ich das Beste draus, denn ich kann es ja im Moment eh nicht ändern und freu mich, wenn es vorbei ist. Meistens ist es dann eh weniger schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe. 

Du hattest mir im Vorfeld geschrieben, dass du auch Mentales Training machst. Was machst du genau? Für welche Situationen nutzt du das Mentale Training?

Angefangen hat es, dass ich mir einen Mentalcoach gesucht habe, weil ich nach den Flügen mir die Flüge extrem schlecht geredet habe. So war ich beispielsweise im Sommer beim Thermikfliegen, wenn dann ein anderer Pilot mit einem A-Schirm mich die ganze Zeit ausgekurbelt hat oder wenn ich keine perfekte Landung hatte, sondern etwas reingestolpert bin, dann konnte es passieren, dass ich am Landeplatz vor lauter Enttäuschung geweint hatte. Eigentlich ist das ein totaler Wahnsinn.

Ich hab dann den Flug so schlecht geredet, dass sich das auf alles andere ausgewirkt hat. So habe ich den Spaß verloren und war vor dem Start schon nervös, weil mich die ganze Zeit diese Versagensangst begleitet hat. Das war der größte Punkt in meinem Mentalen Training. Ich wollte den Druck rausnehmen und sehen, dass ich auch Dinge gut gemacht habe und es nicht schlimm ist, beim Landen auch mal zu stolpern. Das ist keine Situation, die so richtig peinlich ist und alle über einen lachen. So ganz habe ich das noch nicht überwunden, das ist ein Prozess. Bei den Wettbewerben war es genauso, dass ich egal wie gut ich am Vortag geflogen bin, am Startplatz stand und dachte „heute versage ich“. Die Frage ist ja auch, was bedeutet versagen? - Versagen wäre dann eine Außenlandung, das wäre im Grunde auch nicht schlimm. Doch in meinen Kopf ist es dann ein totaler Weltuntergang und ich bin mir sicher, dass jeder über mich lacht und das wäre dann ganz, ganz schlimm. Das ist natürlich nicht so. Hier hilft es mir zu reflektieren, dass es keinen Menschen interessiert, ob ich außen lande oder nicht und das es kein Weltuntergang ist, wenn ich die Letzte im Wettbewerb bin, im Baum lande oder sonst irgendetwas passiert. Es ist dann nicht so schlimm, wie ich mir das vorstelle.

Du hast also eine sehr hohe Erwartungshaltung an dich selbst.

Ja, extrem. Leider war es eine zeitlang extrem schlimm. Nach viel Training ist es jetzt besser. Aber es ist ein Prozess und wird mich wohl immer begleiten. 

Ich denke, es ist normal, dass solche Gedanken immer wieder auftauchen. Ganz viele Piloten haben ähnliche Gedanken. Meine Klienten berichten mir auch immer wieder von angstauslösenden Situationen wie vielen Zuschauern am Startplatz. Sie haben dann Angst, dass diese über sie lachen, wenn der Start schlecht ist. Aber wie du sagst, so ist es nicht. Natürlich schauen die Menschen in die Richtung, doch die wenigsten denken sich etwas dabei, da sie doch sehr mit sich selbst beschäftigt sind. 

Ich schau ja selber auch hin. Im schlimmsten Fall wird kurz gelacht, weil es lustig zum Anschauen war, aber nach 10 Minuten beschäftige ich mich damit nicht mehr. Ich weiß, dann nicht einmal mehr, welcher Pilot das war oder wie der Pilot aussah.

Bei mir war das dann so, dass wenn ich am Startplatz ausgerutscht war, dass sich das jeder dann mein ganzes Leben lang merkt und lacht mein ganzes Leben lang darüber, dass ich ausgerutscht bin. Was natürlich absurd ist. 

Was mir am meisten geholfen hat, ist dass mir irgendwann einer gesagt hat „warum glaubst du, bist du so wichtig, dass sich irgendwer darüber Gedanken macht?“. Das war der beste Satz, den ich mir immer vor Augen halte. „Warum glaube ich, dass ich so wichtig bin, dass es irgendwen interessiert?“ - Dieser Satz hilft aktuell am Besten. Ich denke mir „es interessiert doch eh keinen, was ich hier mache!“.

Wie wichtig ist dir die Gemeinschaft beim Fliegen?

Gar nicht so wichtig. Ich genieße es sehr, alleine zu fliegen. Meine schönsten Flüge hatte ich oft, wenn ich alleine war. Dann kann ich mich ganz auf mich und die Umgebung konzentrieren. Es kommt dann auch wieder viel dazu, dass ich denke „was denken die anderen über mich?“, weil ich ins Lee geflogen bin oder das ich etwas schlecht gemacht habe. Das nimmt mir dann so viel Kapazitäten weg von meinem Flug auf den ich konzentrieren sollte, weil ich mir Gedanken darüber mache, was andere wohl über mich denken würden. 

Deshalb fliege ich gerne alleine, obwohl ich schon eine schöne Freundesgruppe im Chiemgau habe, mit denen ich schon lange viel unterwegs bin. Mit der bin ich gern unterwegs. Dann ist die Wanderungen nach oben schon schön, der Flug und mit denen spiele ich dann Spiele am Abend. Mit denen bin ich richtig gern zusammen. Ansonsten bin ich gerne alleine.

Trotzdem hast du viel von anderen gelernt. Du hast erzählt, dass dich die Mazedonien an die Hand genommen und dich gecoacht haben. 

Man lernt total viel von anderen. Ich muss aber auch sagen, dass man sich nicht zu viel darauf verlassen kann, was man von anderen gelernt hat. Am Anfang war ich viel mit meinem Exfreund unterwegs. Er war damals viel besser als ich und ich war noch totale Anfängerin. Der hat mich, im Nachhinein Gottseidank, viel am Berg allein gelassen. Er war viel fitter als ich und viel früher wie ich am Startplatz war. So war ich oft alleine und wusste theoretisch geht es zum Fliegen. Aber es war keiner da, der mich unterstützt hat oder mir etwas gesagt hat. Das hat mir extrem geholfen alleine zurecht zu kommen. Ich lernte den Wind selber einzuschätzen oder sich mit etwas unangenehmeren Situationen auseinander zusetzen. So hatte ich niemanden, der mir den Schirm festhält, der mir beim Einhängen hilft usw. 

Eine Freundin von mir, die zur gleichen Zeit wie ich anfing, hatte einen Freund, der ihr sehr viel geholfen hat. Das war damals richtig cool, aber wir haben dann irgendwann gemerkt, dass sie dadurch viel abhängiger war. Oder viele Sachen nicht so wie ich gelernt hat, weil sie einfach mehr Hilfe hatte. In meinem Fall war es recht gut, dass ich mir Sachen selber erarbeitet habe.

Jetzt beim Wettbewerb helfen mir schon andere viel, wenn es darum geht, wie funktionieren Leadingpoints oder wie verhalte ich mich im Startgagle. Hier habe ich viele De-Briefings bekommen, die mir sehr helfen. Auch bei Hike & Fly Bewerben tausche ich mich mit anderen aus über das Equipment und die Verpflegung. Wie und was am Besten getan wird. 

Viel ist aber auch ein Gefühl, dass sich entwickelt und ich glaube das entwickelt sich besser, wenn man es sich selber aneignet. 

Ich glaube auch, dass es unterschiedliche Typen gibt. Manche lernen total theoretisch. Eine Freundin von mir zum Beispiel ist total analytisch. Sie schaut sich im XC die Flüge und Flugrouten an. Das habe ich in meinen Leben noch nicht gemacht. Ich flieg einfach und schau dann halt, wie es aussieht und wo es am besten geht. Beide Typen können gleich schnell lernen, aber der Weg ist halt anders. 

Du gehst also ehre intuitiv, durch eigene Erfahrung ans Fliegen während es sich andere sehr theoretisch aneignen?

Ja, auch bei De-Briefings fällt es mir oft schwer, dem ganzen zu folgen und mir das zu Herzen zu nehmen. Für mich ist es total schwer, wenn ich gerade nicht in der Situation bin, dass dann für mich zu analysieren oder anwenden zu können, was ich dadurch lerne. 

Fürs Wettbewerbsfliegen habe ich drei Grundprinzipien, an die ich mich dann auch immer wieder erinnere. Das eine ist „Sinken vermeiden", „immer den gleichen Speed fliegen“, wie die um einen herum und was war Punkt drei ist „Gehe NIEMALS alleine (besonders als Anfänger)“.

An so leichte Prinzipien kann ich mich halten, aber alles andere fällt mir schwer. 

Du bist 2025 ins Wettbewerbsfliegen eingestiegen, hast in der Vergangenheit an ein paar Hike & Fly Wettbewerben teilgenommen. Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Nächstes Jahr ist mein großes Ziel bei der Europameisterschaft mitzufliegen und mein Bestes zu geben. 

Ansonsten ist ein ganz großer Traum von mir einmal im Himalaya zu fliegen. Ich bin zwar in Indien und Nepal schon geflogen, aber noch nie in den hohen Bergen. Ich finde diese riesen Gletscher und Felsformationen so beeindruckend und möchte das irgendwann erleben. Dafür habe ich aber aktuell keinen konkreten Plan, wie ich das umsetzen würde. Ich möchte das nicht alleine machen und kenne auch niemanden mit dem ich das gerne machen würde. Es muss ja auch fliegerisch kompatibel sein, was die Zielsetzung und das Fluglevel betrifft. Viele die dort fliegen, sind viel besser als ich. Und ich möchte ja kein Klotz am Bein sein. Es ist auch wichtig gemeinsam die Entscheidung zu treffen umzudrehen oder abzubrechen, wenn es ungemütlich ist. Aber ich denke es wird sich irgendwann ergeben. 

Das naheliegenste Ziel ist, mit meinem Hund fliegen zu gehen.

Wie sieht dein Risikomanagement aus?

Ich stelle mir immer die Frage, ob es das Wert wäre hier einen Unfall zu haben. Wenn es zum Beispiel ums Toplanden geht, frage ich mich, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir ein Band abreiße oder mir einen Fuß breche, wenn ich versuche hier reinzulanden. Ich würd sagen ich bin eher vorsichtig. Ich gehe Situationen, die ich für mich risikoreich empfinde nicht ein. Beim Streckenfliegen würde ich niemals wo reinfliegen, wenn ich mir unsicher wegen dem Landen bin. Ich würde auch nicht tief über einen Wald fliegen. Mir ist es das Risiko einfach nicht Wert, dass ich mir irgendwas weh tun würde. Etwas Restrisiko ist eh immer dabei. Außenstehende würden vielleicht nicht sagen, dass ich die Vorsichtige bin, aber ich habe auch kein Problem damit am Startplatz nicht zu fliegen, auch wenn andere starten. 

Das klingt für mich sehr vernünftig. Jeder muss für sich selber die Entscheidung treffen, ob die Situation für mich passt oder nicht. 

Fliegen ist mein Hobby und ein Hobby soll Spaß machen. Wenn ich mich irgendwo zwinge irgendwo zu starten, nur damit ich beweisen kann, ich bin jetzt auch gestartet, dann verfehlt für mich das total den Sinn. Man kann sich schon mal puschen. Wenn Wind am Startplatz ist, dann kann ich mir schon mal sagen „so schlimm wie es aussieht ist es nicht, ich starte jetzt!“. Wenn ich das Risiko abwäge und das Schlimmste, was mir passieren kann, ist dass ich mich blamiere oder in der Kuhscheiße lande, dann kann man das Risiko auch eingehen. Aber wenn die Situation gefährlich ist, dann ist es besser auf einen Flug zu verzichten. 

Wir müssen ja nicht jeden Blödsinn mitmachen, auch wenn andere fliegen

Wenn ich mir andere ansehe, dann denke ich mir manchmal „das hätte man doch jetzt nicht machen müssen, ich verstehe nicht warum ihr das jetzt gemacht habt?“. Wenn viele ehrlich zu sich wären, dann haben sie manche Dinge auch nur gemacht, damit sie es gemacht haben, aber nicht weil es besonders toll war oder Spaß gemacht hat. In manchen Situationen erkenne ich zumindest nicht den Spaß. Ich finde jeder ist für sich verantwortlich und wenn jemand meint er müsse bei Föhn fliegen und große Klapper kassieren - OK, dann go for it, aber ich brauch das nicht. 

Was würdest du Anfängern raten?

Mein Lieblingstipp ist Groundhandeln. Ich hab ja im Flachland (Bayerischer Wald) angefangen. Ich hab in meinem ersten Jahr glaube ich 70 Stunden gegroundhandelt und bin 2 Stunden geflogen. Das hilft so viel für den Start und die Landung. Ich glaube vielen vergeht der Spaß beim Starten, wenn sie ständig nervös sind und viele Startabbrüche haben. 

Ansonsten ist es wichtig, einfach das zu machen, was einem Spaßt macht und sich nicht so viel mit anderen zu vergleichen. Sich selbst auch nicht so puschen lassen, nur weil jemand innerhalb eines Jahres von einem A-Schirm auf einen C-Schirm aufgestiegen ist, zu denken „ach, das geht ja, das muss ich auch machen!“. Es ist wichtig bei sich zu bleiben und sich weniger beeinflussen zu lassen. Ich finde es schon ziemlich krass, wie schnell manche Upgrade und überleben. Ich frag mich oft, inwiefern das wirklich Können ist oder einfach nur Glück.

Das beobachte ich auch schon eine ganze Weile, dass gerade Anfänger sich puschen und schnell auf höher klassifizierte Schirme wechseln. Gleichzeitig beobachte ich, dass die die sich zu viel puschen auch irgendwann einen Dämpfer bekommen. Bestenfalls ist es ein Schreckmoment ohne Verletzung. Leider können solche Schreckmomente mentale Blockaden auslösen, daher denke auch ich es ist besser langsam Schritt für Schritt voranzugehen, um immer auf der sicheren Seite zu bleiben. So mache ich auch Fortschritte.

Ich muss mich da auch selber an der Nase fassen. Der Umstieg vom Zeno auf den Enzo ging auch ziemlich schnell.

Ein Zeno ist trotzdem schon ein D-Schirm.

Ja, schon. Ich glaube es kommt auch darauf an unter welchen Umständen man umsteigt. Ich persönlich wäre vielleicht auch gar nicht umgestiegen, wenn man mir das nicht angeraten hätte. 

Wer hat dir das geraten?

Vor allem von den ganzen World Cup Piloten. Die sagten „du tust dir dann so viel leichter!“. Ich war mir nicht sicher, weil ich mich unter dem Zeno sehr wohl fühle. Ich hab mich dann im August dazu entschlossen meinen Zeno zu verkaufen und auf einen Enzo zu wechseln. Den Umstieg im Herbst zu machen erschien mir besser, damit ich in ruhigen Bedingungen meine ersten Erfahrungen damit sammeln kann und ein halbes Jahr Zeit hab, um mich an den Schirm zu gewöhnen und auch genug Zeit habe, um vielleicht wieder zurück zu wechseln, falls ich mich nicht wohl fühle. Ich denke man kann das schon mal ausprobieren. Wenn jemand einen B-Schirm fliegt und im Herbst dann mal einen C-Schirm fliegt, die Bedingungen sind ruhig, also ideal, um das mal auszuprobieren. Wenn es einem nicht gefällt, kann man immer noch wieder zurück gehen oder was anderes ausprobieren. Wenn jemand im Frühjahr wechselt, zur thermikstärksten Zeit, finde ich das sehr mutig. 

Wie waren für dich die ersten Flüge mit dem neuen Schirm?

Ich bin jetzt 10 Stunden mit dem Schirm geflogen. Das Starten ist noch etwas ungewohnt. Nach meinem ersten Flug, dachte ich „der Schirm muss wieder weg“, weil die Steuerleinen so lang waren. Meine Arme taten weh, weil ich es kraftmäßig nicht mehr handeln konnte. Ich landete nach einer halben Stunde und war fertig. Inzwischen halte ich die Steuerleinen anders und jetzt geht es auch total gut. Nach den ersten Thermikflügen ist der Schirm für mich OK. Im März ein Grentedreieck würde ich noch nicht fliegen wollen. Aktuell fliege ich nur in Bedingungen, bei denen ich mich eh wohl fühle. 

Einen Wettbewerb in den Alpen würde ich noch nicht damit fliegen wollen. So voll beschleunigt an den Klippen entlang finde ich das Risiko viel höher als in Mazedonien, wo es mehr oder weniger Flachland ist und du immer 800 m Luft unter dir hast, um auch sicher einen Retter werfen zu können. Wenn ich mir die World Cups in Feltrè (dieses Jahr) oder in der Schweiz (letztes Jahr) ansehe, dann ist das schon ein krasses Risiko, was die Piloten da eingehen. Ich hab mich dann schon gefragt, ob ich das Risiko vollbeschleunigt da mitzufliegen, eingehen würde. 

Was das angeht, bin ich auch eher ein Angsthase. Wenn es an den Felsflanken entlang geht, gehe ich lieber aus dem Gas. Mit einem möglichen Klapper bist halt auch schnell an den Felsen. 

Ja, wenn ich mit meinem Hike & Fly Schirm an Felsen entlang fliege, dann flieg ich eben unbeschleunigt und lasse mir mehr Zeit. Dann fühle ich mich auch wohl. Mit meinem neuen Schirm, würde ich nicht Vollgas in den Alpen bewegen wollen. Ich kann mir die Bedingungen ja auch aussuchen. 

Was ist die wichtigste Botschaft die anderen mit auf den Weg geben möchtet?

Das Wichtigste ist, einfach Spaß zu haben und das zu tun, worauf man selbst Lust hat – und sich nicht so beeinflussen zu lassen und sich nicht so sehr zu vergleichen. Und wenn ich an einem super thermischen Tag einfach nur Lust auf einen morgendlichen Abgleiter oder einen Sunset-Flug habe, dann ist das so und ist nicht schlechter als 100 km zu fliegen.

Ich finde, im Gleitschirmsport gibt es eh nicht wirklich zu „erreichen“. Daher ist es unnötig sich so einen Druck zu machen. Früher hatte ich noch die Illusion, dass es was tolles ist Weltmeister,  Europameister zu sein oder mal bei den X-Alps mitzumachen. Aber nachdem ich nun doch einige kennengelernt habe, die das erreicht habe muss ich feststellen, es ist toll so was zu schaffen, aber das Leben ändert sich dadurch nicht. Also ist es nichts, was so erstrebenswert ist. 

Vielen DANK Anna für das tolle Gespräch. Ich wünsche dir ganz viele tolle Flüge und dass du jede Menge Spaß dabei haben wirst. 

Aus der Sicht einer Sportpsychologin

Aus dem Interview mit Anna lassen sich wertvolle sportpsychologische Empfehlungen ableiten, die dir helfen können, deine Ängste zu reduzieren und den Spaß am Fliegen zu erhalten.

1. Kritische Selbstgespräche wahrnehmen und akzeptieren

Im Interview hat Anna beschrieben wie schlecht es ihr teilweise nach den Flügen ging, weil etwas nicht so geklappt hat, wie sie es sich gewünscht hätte. Sie hatte auch die irrationale Vorstellung, dass alle über sie gelacht haben und weiter lachen werden. Kritische oder nicht-hilfreiche Gedanken, wie diese, kennen wahrscheinlich viele Piloten. Aus meiner Erfahrung und das bestätigen auch einige Studien ist es schwierig und kostet sehr viel Energie solche Selbstgespräche direkt in etwas Positives zu verändern oder umzulenken. Diese Energie fehlt dir dann für das, was du im Augenblick machst, z. B. Gleitschirmfliegen. 

Effektiver und weniger energieraubend ist es, zu akzeptieren, dass solche Gedanken immer mal wieder auftauchen und sie als das zu sehen, was sie sind: nur Gedanken, nicht die Wahrheit über dich. Nimm sie mit neugieriger Offenheit wahr, ohne dich in ihnen zu verfangen oder gegen sie anzukämpfen. Zum Beispiel: Wenn der Gedanke „Ich bin ein Versager“ auftaucht, beobachte ihn einfach als ein mentales Ereignis, ohne ihm automatisch zu glauben oder zu widersprechen. Du kannst vor den Gedanken den Ausdruck „Ich nehme wahr, da ist der Gedanke … „ setzen. Es wird also aus dem Gedanken „Ich nehme war, da ist der Gedanke - ich bin ein Versager“. Diese einfache Technik führt dazu, dass der Gedanke nicht mehr so viel Macht über deine Emotionen hat und du dich von dem Gedanken distanzierst. Probier es einfach mal aus und spüre wie sich die Emotionen dadurch anders anfühlen.

Anna hat außerdem beschrieben, dass ihr der Satz „Warum glaube ich, bin ich so wichtig, dass andere mich beobachten?“ sehr dabei hilft, ihre Gedanken zu hinterfragen und ihr eigenes Ego bewusst einzuschränken. Durch diese innere Frage wird ihr klar, wie oft sie sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt stellt und sich dadurch unnötig unter Druck setzt. Dieser Perspektivwechsel ermöglicht es ihr, entspannter mit der Situation umzugehen und den Fokus mehr auf das eigene Erleben statt auf die vermeintliche Beobachtung durch andere zu legen. So kann sie leichter loslassen und mehr Freude am Fliegen entwickeln.

2. Motivation durch Verbindung mit persönlichen Werten

Ergebnisziele, wie einen weiten Streckenflug, eine besondere Platzierung in einem Wettbewerb (z. B. XC oder zentrale Bewerbe) können motivieren. Doch was ist, wenn du diese Ziele erreicht hast? Oder wenn du scheiterst? 

Es gibt im Sport zahlreiche Beispiele von erfolgreichen Athleten die nach einem Sieg (sogar bei Olympia) in ein tiefes Loch fallen, weil plötzlich die Ziele weg sind. Werte sind wie eine Art innerer Kompass und geben einem die Richtung vor. Im Gegensatz zu Zielen können Werte niemals vollständig erreicht werden. Wenn ein Wert von mir ist mich ständig weiterzuentwickeln, dann habe ich diesen Wert nicht erfüllt, nur weil ich mal ein Buch gelesen habe. Werte werden täglich aufs Neue gelebt. 

Finde heraus, was dir am Gleitschirmfliegen wirklich wichtig ist – Spaß, Naturerleben, persönliche Entwicklung, die Gemeinschaft mit anderen oder irgendetwas ganz anderes – und richte deine Ziele danach aus. Wenn du Flüge planst, die diesem inneren Werten entsprechen, entsteht Motivation von innen heraus und nicht durch äußeren Leistungsdruck. Außerdem wirst du dich trotzdem wertvoll fühlen, auch wenn du dein Ziel verfehlt hast. 

3. Umgang mit Fehlern: Akzeptanz statt Ärger

Es ist normal, dass wir nach einem misslungenen Flug auch mal gefrustet, enttäuscht oder auch traurig sind. Erlaube dir alle Gefühle nach einem Flug, ohne sie bewerten oder verändern zu wollen. Nimm sie achtsam wahr, beobachte was in dir passiert. Anschließend frage dich „Was ist mir beim fliegen wichtig, warum fliege ich und was tut mir jetzt gut?“ Dadurch entsteht Raum für eine offene Haltung gegenüber dir selbst. Du erkennst, dass Fliegen mehr ist, als ein gelungener oder verpfuschter Flug. Fliegen bedeutet Freiheit, Abenteuer, Freude und vielleicht auch Genuss. Solltest du einen schwerwiegenden Fehler begannen haben, mach dir bewusst was Fehler sind: 


Förderliche
Erfahrungen, die 

Helfen, zu
Lernen 

Erfolg zu 

Realisieren. 

Hättest du im Vorfeld gewusst, dass ein Fehler nicht optimal ausgeht, dann hättest du anders gehandelt. Also, war diese Erfahrung wichtig für dich, etwas Neues zu lernen. Akzeptiere deine Rückschlägen als Teil deiner kontinuierlichen Weiterentwicklung. Erlaube dir Fehler und Herausforderungen als natürliche Stationen auf deinem Weg zu sehen – sie sagen nichts über deinen Wert als Mensch aus.

4. Risikomanagement mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge

Anna hat berichtet, dass sie keine unkalkulierbaren Risiken eingeht. Gerade wenn wir mit anderen Piloten unterwegs sind, ist die Gefahr für Gruppendynamik große. Deshalb ist es hilfreich vor und während des Flugs fortlaufend die eigenen  körperlichen und emotionalen Signale zu beobachten ohne zu bewerten. Kurze Achtsamkeitsmomente (z. B. Fokus auf den Atem) können helfen um präsent in der Gegenwart zu bleiben und wahrzunehmen, ob die eigenen Grenzen eingehalten werden. Die Entscheidung für oder gegen einen Start basiert dabei auf deinen eigenen Werten (z. B. Sicherheit, Verantwortung) und nicht auf der Entscheidung von anderen oder von irrationalen Ängsten..

5. Umgang mit sozialen Medien

In der heutigen Welt vergleichen sich viele wie Anna in sozialen Medien mit anderen. Dies kann zu depressiven Verstimmungen führen und am Selbstwert kratzen. Anstatt sich auf Vergleiche einzulassen oder sich selbst durch Social Media zu bewerten, kannst du bewusst auswählen, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest. Reflektiere immer wieder: „Dient mir das gerade meinem Wohlbefinden und meinen Zielen?“. Digitale Pausen oder das Einschränken der digitalen Zeiten können ein Weg sein, um dich auf das Wesentliche zu konzentrieren und deine eigene Entwicklung wertzuschätzen. Wichtig ist meiner Meinung nach für sich selbst darüber klar zu sein, dass die sozialen Medien nicht die Wirklichkeit zeigen. Sie zeigen maximal einen kleinen Ausschnitt.

6. Soziale Unterstützung als Ressource nutzen

Im Interview hat Anna ausführlich beschrieben, wie viel sie von anderen Piloten lernen konnte. Es nicht notwendig ist, jeden Fehler selbst zu machen, denn durch den Austausch mit erfahrenen Piloten können wertvolle Tipps und Ratschläge gewonnen werden, die einem helfen, typische Fehler zu vermeiden. Diese Unterstützung trägt wesentlich dazu bei, den Lernprozess effizienter und angenehmer zu gestalten. Sich mit Menschen zu umgeben, die einen in der persönlichen und fliegerischen Entwicklung bestärken und wertschätzen – ohne dabei zu bewerten oder Druck auszuüben - schafft Raum für offene Gespräche, die nicht nur helfen, die eigene Sichtweise zu erweitern, sondern auch den Fokus auf den individuellen Fortschritt lenken. Anstatt sich mit anderen zu vergleichen, kann man sich so besser auf den eigenen Weg konzentrieren und mit mehr Freude und Gelassenheit fliegen lernen.

 

 


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