Sport- und Gesundheitspsychologie • Yvonne Dathe

Markus Anders
Markus Anders

Interview mit Markus Anders - Fliegen irgendwie.anders

Markus ist irgendwie.anders. Er liebt das Abenteuer mit dem Gleitschirm. Auf der ganzen Welt nimmt er an Hike & Fly-Wettbewerben wie dem Border Race und den X-Alps teil, fliegt bei Streckenflugwettbewerben oder beim XC-Fliegen. Im Interview erzählt Markus von seinem Werdegang, aber auch von schweren Unfällen und wie er sich zurück ins Leben und den Sport gekämpft hat. Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Viel Spaß mit dem Interview!

 

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Kontakt zu Markus Anders:

Webseite von Markus Anders: https://markusanders.de/
Instagram von Markus Anders: https://www.instagram.com/irgendwie.anders90/

 


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 Transkript zum Interview:

 

Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Wie bist du zum Gleitschirmfliegen gekommen?


Ich hatte das Gleitschirmfliegen schon länger gesehen, weil ich bin an der Schwäbischen Alb aufgewachsen und bin   dort immer Radl gefahren bin. Dabei habe ich in Neidlingen usw. die Gleitschirmflieger gesehen. So richtig gepackt hat es mich als ich auf einer Hochtour im Wallis war. Dort war ich auf dem Nadelhorn mit 2 Kumpels. Wir sind da hochgewandert, hochgeklettert und oben war dann auch einer mit einem Gleitschirm. Er war irgendwo auf so einer Schneekuppe neben dran. Er bereitete seinen Schirm vor und ist dann raus gestartet.
Das sah einfach faszinierend aus, wie er an den Seracs vorbeigeflogen ist. Witzigerweise trafen wir ihm am Camping noch einmal. Wir redeten mit ihm. Wir sind nach seinem Start 2.500 Höhenmeter hinabgestiegen, unsere Oberschenkel haben gebrannt und wir waren einfach komplett fertig. Er hingegen ist 20 Minuten über die Seracs geflogen, saß danach am Fluss, grillte und genoss die Zeit. Ich dachte, das könnte ganz cool sein. Daraufhin machte ich einen Schnupperkurs und machte relativ schnell meinen Schein.


Wo hast du deinen Schein gemacht?

In Göppingen. Das war das Nächste bei mir ums Eck.


Du sagtest du bist da mit dem Fahrrad dran vorbeigefahren. Kommst du ursprünglich aus dem Radsport?


Ich bin früher mal aktiv Rennrad gefahren, also eigentlich schon immer viel mit meinem Vater als kleines Kind und dann 2007 - 2009 hatte ich auch eine Lizenz und bin Rennen gefahren. Ich wollte früher immer irgendwie Profisportler werden und Rennradfahrer. Da ich aber sehr leicht und eher ein Bergfahrer war hat es mich mehr zum Mountainbiken gezogen, wie zum Rennradfahren, weil dort die Rennen sehr sprintlastig waren. Sehr schnell war klar, dass ich nicht die Statur hatte. Im Peloton ging es mir auch zu arg zu. In dem ganzen Gaggel, wie beim Gleitschirmfliegen, eng aneinander und dann schießt man da um die Kurven und man ist halt einfach drin und kann einfach nichts machen.

Wie die Enge im Pulk, ja…


Das Gleiche wie im Pulk, nur rechts und links und vorne und hinten.

Ich hab dann nicht sofort aufgehört. Für mich selber machte ich noch ein bisschen Hobby Rennen.


Du sagtest, so im Gaggel eng zu fliegen ist ähnlich wie im Pulk beim Fahrradfahren. Hast du aus dem Radsport was mitnehmen können fürs Gleitschirmfliegen?


Wir kommen gerade von Bassano von der Trofeo Monte Grappa. Wir hatten supergeiles Wetter und es war auch echt schön zum Fliegen. Ich ziehe gerne Analogien zum Radfahren. Ich hatte immer mal wieder versucht mit einer kleinen Gruppe auszubrechen. Leider funktionierte das in den meisten Fällen nicht so ganz gut. Und dann kam das große Gaggle und hat uns einfach überflogen. Beim Radlfahren ist es ja auch so, wenn du halt dann ausbrichst, dann investierst du viel mehr Energie, um dich von der Masse zu lösen. Der Ausbruch glückt oder eben auch nicht und man wird wieder eingeholt. Das ist beim Wettbewerbsfliegen tatsächlich ziemlich ähnlich. Es gibt die goldene Regel, the Gaggle is always right. Das stimmt zwar nicht immer, aber oft.
In Kolumbien ist mir dieses Jahr schon ein Task-Sieg bei der Copa Niviuk mit 12 Minuten Abstand zum zweiten einfliegen können. Das ist natürlich dann auch extrem cool, wenn sowas funktioniert.
Aber die Regel ist gerade bei einem sehr hochkarätig besetzten Wettbewerb, dass man einfach viel effizienter und energiesparender unterwegs ist, wenn man in der Masse fliegt.


Das ist dann tatsächlich ziemlich ähnlich zum Radfahren. Ich schaue mir auch sehr gerne Radrennen an und finde, dass es doch ziemliche Ähnlichkeiten gibt.
Was motiviert dich denn persönlich, an extremen Wettbewerben teilzunehmen? - Streckenflugwettbewerbe wie Bassano, aber natürlich auch die Red Bull X-Alps, woher dich die meisten wahrscheinlich kennen.


Ich sag mal so, das Wettbewerbsfliegen, das finde ich, hat eher so den Charakter von einer einer betreuten Flugreise auf sehr hohem Niveau mit Freunden. In Kolumbien oder jetzt in Bassano sind wir in einem Fluggebiet und du musst dich um nichts kümmern. Du bekommst ein Wetterbriefing, ein schönes Lunchpaket manchmal und dann gibt es einen Task. Man fliegt den Task und hat Spaß. Entweder du schaffst den Task oder auch nicht. Auf jeden Fall kommst du mit vielen Menschen zusammen.
Das Hike and Fly ist meine Hauptmotivation immer gewesen und ist es nach wie vor. Das hat sich mit der Zeit so entwickelt. 2015 machte ich meinen Schein und 2016 im Herbst nahm ich an meinem ersten Bordair Race in Levico teil. Ein Kumpel hat mich gefragt, hey, lass da mal mitmachen, das ist irgendwie cool und man muss fliegen, 33 Stunden und wenn es nicht fliegt, läuft man halt. Ein Bordair Race geht über 33 Stunden. Nachts durften wir natürlich nicht fliegen, aber laufen. Und dann kam dann irgendwann der Tag X, an dem das Rennen stattgefunden hat. Ich schaute ins Wetter und das Wetter sah komplett grausig aus. Sehr labil, gewittrig. Ich erwartete eine Flugdistanz von vielleicht 10-15 Kilometern, vielleicht mit etwas Glück 20 - 30 km. Wir liefen dann zum Startplatz und irgendwie ginge doch gut zum Fliegen. Am Ende flog ich tatsächlich 114 km. Von Levico bis Belluno und wieder ein Stückchen zurück. Das hätte ich zuvor nie erwartet. Das weckte dann den Reiz in mir. Das hat etwas von Adventure Flying. Du hast bestimmte Bedingungen und musst versuchen, das Beste draus zu machen und da wirst du halt oft sehr zum Positiven überrascht.  Aber natürlich bewegt man sich auch irgendwo in Limitbereichen, wenn es dann zum Beispiel grenzwertig schwach ist oder halt auch irgendwo grenzwertig windig oder mehr in Richtung grenzwertig risikobehaftet geht. Der zweite Tag war überhaupt nicht gut zum Fliegen. An dem Tag hieß es: „OK, ich wäre jetzt irgendwie so Fünfter, wenn ich zurückkomme. Also, muss ich zurückkommen. Und fürs Zurückkommen muss ich nur irgendwie 105 Kilometer laufen“. Und zu dem Zeitpunkt war meine längste Wanderung irgendwie 26 km. Ich hatte das nicht trainiert. Und dann bin ich tatsächlich fast die ganze Nacht durchgelaufen und den ganzen nächsten Tag. Ich schaffte es nicht ganz zurück, weil ich mein Fußgelenk steif gelaufen bin. Es machte keinen Sinn mehr. Trotzdem bin ich am Ende fast 100 km gelaufen. Ich dachte mir: „Krass, was ich aus meinem Körper rausholen kann und was ich fliegerisch an schlechten Tagen machen kann.“

Wettbewerbe oder normales Streckenfliegen, findet halt immer statt, wenn es gute Bedingungen hat. Beim Wettbewerb wird versucht ein Flugfenster irgendwie rauszuholen, weil die Wettbewerbspiloten angereist sind und fliegen wollen. Grundsätzlich werden gute Bedingungen ausgesucht und geht dann fliegen. Irgendwann bist du in Lage gut einzuschätzen, wie viele Kilometer an einem Tag möglich sind. Beim Hike & Fly ist das Wetter nicht so eindeutig. Es kann sein, dass es an einem labilen Tag gewittrig ist und alles hochschießt. Trotzdem gibt es vielleicht irgendwo einen etwas abgeschatteten Bereich, an dem es etwas länger zum Fliegen geht. Ich hatte tatsächlich schon oft die Erfahrung gemacht, dass ich dachte „boah, hoffentlich fliegt es überhaupt“ und dann fliegt man fast 100 Kilometer.


Bei Hike und Fly hast du natürlich auch weniger Wartezeiten wie bei normalen Wettbewerben.

Ja, das ist tatsächlich der Punkt, der mich bei normalen Wettbewerben am meisten schlaucht. Es wird irgendwie um 12 oder 1 Uhr gestartet, dann ist der halbe Tag schon rum.
Aber ja, es sind 2 unterschiedliche Disziplinen. Beim Hike and Fly hat man den ganzen Tag und man fängt halt früh an und dann geht es darum, passende Entscheidungen zu treffen, wann lohnt es sich auf den Berg zu gehen? Wann setzt die Thermik ein? Hier ist es nochmal ein ganz anderer taktischer Aspekte, weil noch mehr das Wetter einfließt. Ich beobachte das Wetter und versuche es einzuschätzen und dann natürlich das Fliegen an die Tagesgüte anpassen. Um die Mittagszeit wird es dann auch eher ein bisschen mehr racen. Irgendwann ist aber auch die die letzte Thermik am Tag brutal entscheidend, weil wenn ich da noch mal irgendwo hochkomme bei einem Hike and Fly Rennen, dann kann ich einen riesen Vorsprung rausfliegen. Da heißt es sich anpassen. Rechtzeitig die Handbremse ziehen und lieber etwas defensiver fliegen. Ansonsten vergast man sich vielleicht oder steht dann zu früh am Boden, wenn es eigentlich noch fliegt.


Du musst viel mehr strategisch denken bei den High und Fly-Wettbewerben. Dieses Jahr wirst du ja das erste Mal bei den X-Pyr teilnehmen. Wie bereitest du dich denn da körperlich und mental auf den Wettbewerb vor?


Im Prinzip mache ich dasselbe wie sonst für die X-Alps. Ich habe seit meiner ersten X-Alps-Teilnahme 2019 einen Personaltrainer, den Flo Ebenbichler aus Innsbruck bzw. aus Axam bei Innsbruck. Ich stecke mir immer Ziele und für dieses Jahr ist die X-Pyr-Teilnahme eines meiner Hauptziele. Der Trainingsplan wird dann je nach Periodisierung angepasst. So dass die Form für Juni passt.

Trotzdem mag ich zum einen, einen strikten Plan haben, als Leitfaden zum Trainieren, aber wenn es dann doch super cool zum Fliegen ist, dann switche ich manchmal auch mal um. Dann mache ich lieber einen Hike & Fly anstatt einen stupiden Lauf oder einer langen Ausdauereinheit zu machen. Vielleicht gehe ich dann dreimal auf den Berg hoch, weil irgendwo muss, muss das Training auch Spaß machen. Manchmal trainiere ich rein trainingsspezifisch und hocke im Winter 2 Stunden auf der Rolle und wenn der Schnee draußen gut ist, dann gehe ich auf eine Skitour. Ansonsten kann das Training auch schief gehen.


Ich denke, wenn es keinen Spaß macht, kannst du auch nicht über so lange Zeit wirklich dauerhaft trainieren. Du warst jetzt 4 Mal bei den X-Alps dabei, jetzt bei den X-Pyr. Sprich, du bist ständig im Training, oder?


Ja, das Training und die ganzen Sportarten machen mir Spaß. Fahrradfahren ist cool, ob es jetzt Rennradfahren oder Mountainbiken, Trail laufen, Berg gehen. Normales Laufen im Flachen gehört halt irgendwie dazu. Manchmal ist das auch ganz cool, weil man kann einfach abschalten und hört Musik, läuft und fertig. Am Ende tut das dem Körper einfach gut.
Zur Vorbereitung gehört es, das Team zusammenzustellen. Inzwischen gibt es einige Formate, bei dem das Hike and Fly ohne Support stattfindet.
Das finde ich auch sehr cool, weil da ist halt der logistische Aufwand nicht so hoch. Bei Events wie den X-Alps und den X-Pyr benötigt du ein Support-Team. Du musst ein Fahrzeug organisieren oder das eigene nutzen. Die Supporter müssen gefunden und eingelernt werden. Bei den X-Pyr habe ich tatsächlich das Glück, dass 2 von meinen letzten X-Alps-Supportern, also der Physio, der kommt eh aus den Pyrenäen, der Philippe, der hat schon zu gesagt, gleich nach dem X-Alps, ich muss unbedingt X-Pyr machen, weil er mag ein Rennen bei sich daheim in den Pyrenäen machen. Der Floh Schmidt ist viel am Trail laufen und ist auch Gleitschirmpilot. Die haben beide Bock und dann war das Team quasi schon fertig und dann muss man natürlich auch nicht so viel Teambuilding machen und einlernen, weil die Erfahrung schon da ist. Beide haben einen super Job bei den X-Alps gemacht und bei den X-Pyr wird es dann tatsächlich, glaube ich, ein bisschen entspannter, wenn man ja doch ein bisschen mehr Nachtruhe hat.


Wie bereitest du dich strategisch auf die X-Pyr vor? Schaust du dir die Route ganz im Detail an oder oder lässt du es einfach so auf dich zukommen? Wie machst du das?


Ich bin vom Typ her jemand, der schaut sich schon sehr gern irgendwie alles im Detail an. Also, ich mag das nicht planlos irgendwo loszugehen. Das ist manchmal auch ein ganz gutes Training, so was zu machen, weil man dann irgendwie so ein bisschen das schnelle Reagieren lernt. Aber ich brauche ein Ziel und dann gehe ich Step für Step voran. Ich schaue mir die Route an und welche Optionen es gibt. Meistens ist offensichtlich, dass es ein Worst Case Szenario gibt, ich muss alles laufen. Dann sollte ich zumindest mal einen Plan haben, wenn wirklich das Worst Case Szenario eintritt. Wie laufe ich am effizientesten, weil ich kann mich blöd gesagt verlaufen und jeder Kilometer, den ich in die falsche Richtung laufe, muss ich noch mal laufen. Beim Hike and Fly meldet sich immer wieder das Unterbewusste und meint „hey, lieber irgendwie noch ein bisschen weiter fliegen“. Denn das Fliegen ist viel schöner und viel energiesparender, als dann 5 km im Flachen zu laufen.
Der Best Case ist, man fliegt alles und dann kann man das so ein bisschen durchplanen. Am ersten Tag, starten wir in Hondarribia und müssen erstmal zu dem Larun hochlaufen. Das ist ein ganz gutes Stück.
Hier kommt es schon drauf an, dass ich recht zügig hochgehe, dass ich noch vor Einsetzen der Seebrise schön abgleiten und viel Strecke machen kann, um in die hohen Berge zu kommen. So habe ich dann einfach bessere Flugbedingungen. Aber so im Detail habe ich es mir tatsächlich jetzt noch gar nicht angeschaut.

Die genaue Route ist noch gar nicht bekannt. Aber die Pyrenäen sind ein Gebirgszug, der von West nach Ost geht. Aus den letzten Editionen habe ich mir die ganzen Routen schon angeschaut. Ich konnte immer wieder Abschnitte finden, die fast gleich sind. Ich habe mir angeschaut, was die gemacht haben. Was war das Beste? Welche Optionen gibt es? Daraus kann ich ein Gedankenspiel machen. Das mache ich zum Beispiel für die X-Alps. Für die Pyrenäen, kann ich es noch nicht ganz so einschätzen, weil es dort andere Wetterphänomene gibt. Wenn wir ein stabiles Hochdruckgebiet haben, ist das natürlich Best Case.
Aber dann gibt es halt Nordföhn, Südföhn, je nachdem wo ich bin. Dann gibt es starke Westlagen, irgendwie vielleicht präfrontal oder Rückseite. Dann überlege ich mir für die jeweiligen Wetterlagen, wie die Route aussehen könnte. Bei den X-Alps machte ich mit meinem Team eine Teamaufgabe:
Gehen wir mal davon aus, dass wir im Abschnitt von Schenna nach Sankt Moritz müssen und wir nehmen dann am Dienstag die Wettervorhersage für Mittwoch und versuchen das mal durchzuplanen. So kommt das ganze Team ein bisschen in das Planen und kommt auf einen gemeinsamen Nenner. Bei den X-Pyr ist die Route schon meistens relativ straight forward. Was ich gehört habe, gibt es viele, viele Lufträume, was die Kreativität und die Optionen dann einschränken. So muss ich nicht übertrieben im Detail planen. Doch je mehr ich mich mit der Route beschäftige, desto mehr Optionen habe ich beim Fliegen im Hinterkopf. Oft ist es so, dass man dann an einen Punkt im Fliegen kommt, bei dem es entweder in das eine oder andere Tal geht. Vielleicht entwickelt sich das Wetter so, dass Laufen effizienter ist oder es gibt ein großes Hindernis   von einem 2000 m hohen Berg, bei dem natürlich Fliegen besser ist. Dass sollte ich vorher wissen und kann in der Luft nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. Sondern ich habe die Fakten und dann gilt es abzuwägen und die Entscheidung zu treffen.


Was war denn bisher dein größtes Erfolgserlebnis beim Fliegen oder bei den Wettbewerben und welche Einstellung hat dir dabei geholfen?


Ich würde sagen, der Task-Win beim Superfinal in Kolumbien, als ich einen großen Vorsprung hatte. Und natürlich, war auch die Ankunft bei den X-Alps im Ziel ein mega Highlight. Doch das sitzt nicht ganz so arg drin. Ich hab nämlich früher realisiert, dass ich schon ins Ziel kommen werde, egal ob ich jetzt laufe oder fliege.

Was bei den X-AlPs wichtig ist, ist, dass man sich nicht von den Emotionen leiten lässt. Also muss man relativ rationale Entscheidungen treffen.
Aus meiner Sicht können Emotionen manchmal in die falsche Richtung leiten. Wenn ich z. B. denke „boah geil, ich flieg jetzt ins Ziel“ und gase einfach dahin, dann finde ich mich auf einmal im Talwind wieder, weil ich zu tief los geflogen bin und dann spült es mich runter. Schon bin ich am Boden der Tatsachen zurück. 

Tatsächlich ging es mir so kurz vor der Ankunft. Ich freute mich beim Flug brutalst und dann sagte ich mir „Hey Markus, ich bin noch nicht da und ich muss mich jetzt konzentrieren und ins Ziel fliegen, dann kann ich mich freuen.“

Während der Ankunft, habe ich mich beim ersten Mal tatsächlich irgendwie so komplett leer gefühlt. Es gab eine knallharte Routine. aufstehen, eine Plan machen, auf den Berg gehen, fliegen… Das machte ich den ganzen Tag. Ich war komplett im flow. Und dann, hört es auf einmal auf. Ich wusste dann gar nicht mehr, was ich mit mir anfangen soll. Natürlich kann ich irgendwo hochgehen, aber der Task ist beendet. In dem Moment ist es schwer zu realisieren, was man da gerade geleistet hat. 

Bei dem Beispiel vom Superfinal, sind wir irgendwie 3 Stunden geflogen und das ist so ein kleines Erfolgserlebnis.
Im Herzen bin ich halt XC Flieger und ich mag es manchmal zu versuchen auszubrechen. Vom Ergebnis her hatte ich eh nichts zu verlieren, da ich bereits zu viele Streicher hatte und dann ergab sich irgendwie die Möglichkeit. Ja, da ist jetzt die Chance, ich könnte direkter fliegen, aber es ist 'n bisschen riskant, weil es zuvor geregnet hat und das Flachland vielleicht bisschen stumpf ist. Der Umweg über die Berge macht vielleicht Sinn. Und dann wars dann tatsächlich so. Ich bin ins Flache geflogen, ich glaube mit Pepe. Pepe ist dann sogar abgesoffen, weil es Ultra zäh war. Die lange Route in den Bergen war viel schneller und wurde von allen im Flachen überflogen. Dann hab ich mich wieder hoch gearbeitet. Es war etwas Nordwind drin und wir mussten Richtung Norden fliegen. Ich dachte, es macht keinen Sinn im Flachen wieder zu fliegen, da die Berge vorher viel besser waren. Ich flog dann einfach auf die andere Talseite in die Berge. Dort standen super schöne Wolken. Ich konnte dann die Strecke an der Wolkenstraße entlang fliegen. Das war krass. Ich sehe mich nicht als Top Wettbewerbspilot und beim Superfinal sind Piloten wie Honorin Hamard oder Baptist usw., die ganzen Franzosen halt die eh immer fast alles gewinnen. Die fliegen super gut und dass ich es dann tatsächlich auch mal schaffe einen Task allein zu gewinnen, war schon echt cool. Ich glaube ich hatte zwei Minuten Abstand auf den Zweiten. Es war schön zu sehen, dass das Gaggel doch nicht immer richtig liegt. Das hat mir für mein fliegerisches Selbstvertrauen extrem viel gegeben.

Im Leistungssport stehst du auch immer unter Beobachtung. Bei den X-Alps ist klar, dass die Menschen einen verfolgen. An einem guten Streckenflugtag folgen die Menschen einen auch. Irgendwann hast du 30 Menschen, die dir folgen. Wenn du ein großes Dreieck fliegst, steigt zum Ende die Anzahl der Zuschauer weiter an. Letztendlich fliegt jeder für sich, doch wenn ich merke es schauen viele Menschen zu, dann kommen Gedanken wie „wenn du es jetzt verkackst, dann fühlt sich das immer ein wenig schade an“. Aber eigentlich muss man sowas am Besten komplett ausblenden.


Es ist absolut cool, wenn du mit 2 Minuten Vorsprung gewinnst und vor allem, du merkst dann, die anderen kochen auch nur mit Wasser. Du hast vorhin gesagt, bei den X-Alps als Du angekommen bist war eine Art Leere nach deiner Ankunft, so nach dem Motto, was mach ich jetzt. Der normale Rhythmus ist jetzt gar nicht mehr da. Wie bist du damit umgegangen, dass dann auf einmal nichts mehr da war?


Tatsächlich bin ich jedes Mal in eine Art Depression gefallen und beim ersten Mal war es noch etwas umfangreicher. Es gab noch die Route bis Monaco. Der Ursprungsgedanke von Salzburg über den ganzen Alpenhauptkamm entlang bis Monaco ans Meer zu fliegen, war für mich immer ein Traum. Diese Vorstellung war für mich unbeschreiblich geil, da wirklich dann am Meer zu landen, auf dem Floß und einfach das Rennen zu beenden und die Aufgabe zu schaffen. Am letzten Tag hab ich´s ein bisschen verkackt und dann war ich unter der Inversion gefangen. Ich wollte irgendwo einlanden und beim Einlanden habe ich mir dann am Fuß wehgetan. Ich zerrte mir den Knöchel oder ein Band. Es ging noch, aber ich wusste, dass ich nicht mehr viel laufen kann. Wir warteten ein wenig und dann zog ein Gewitter auf. Genau dort, wo ich hinfliegen musste. Danach war der Tag rum. Es wäre realistisch gewesen, noch ins Ziel zu kommen. Wir hatten noch 240 km vor uns. Es war ein richtiger Hammertag, und mit dem Night Pass die Nacht und den Anfang vom nächsten Tag zu nutzen, wäre das möglich gewesen.

Was mir tatsächlich beim letzten Mal und beim vorletzten Mal extrem geholfen hat nicht ins Leere zu fallen, war, dass ich mir für danach Ziele setzte. 2023 zum Beispiel, habe ich mich für einen Monat nach dem X-Alps zu einem Ultra Rad Marathon angemeldet. Das steckte mir mein Trainer. Das passte gut, da es eine ganz andere Sportart ist. Du setzt dich einfach aufs Rennrad und fährst . Es ging darum 24 Stunden im Kreis zu fahren. Das war für mich einfach wieder ein cooles Ziel, zu schauen, kann ich so lange auf dem Radl sitzen? Halte ich das durch? Was kann ich aus mir rausholen? Das ist wie bei langen Hike & Fly Rennen eine mentale Geschichte.  Irgendwann kommt der Schmerz. Irgendwann hast du keine Lust mehr, dann ist es dunkel, dann ist es nachts und es regnet vielleicht noch. Du denkst einfach „hey, was mache ich da, wieso halte ich nicht einfach an?“. Hier die Disziplin und den Ehrgeiz zu haben zu sagen „hey, ich mach das weiter“. Das fand ich ganz cool. Ich würde es nicht unbedingt noch mal machen. Man kann sich auch andere Ziele setzen, sei es dann einfach einen coolen Urlaub mit der Freundin oder sonst was. Einfach etwas, dass einem danach auffängt, damit man nicht ganz so in eine Depression fällt.

Das hat dann auch gar nicht so lange gedauert. Nach ungefähr 3 oder 4 Tage merkte ich, der Körper ist noch dabei alles zu verarbeitet. 2023 wollte ich mit meinem Filmer noch einen Hike & Flying im Tandem machen. Wir wollten einen Berg mit etwa 300 oder 400 Höhenmeter wandern. Ich habe es einfach nicht geschafft.
Ich habe die X-Alps gemacht, aber ich habe es nicht geschafft, die Hälfte von dem Tandem da hoch zu tragen. Mein ganzer Körper fing an zu schwitzen. Mein Körper war einfach fertig. Der Hike & Fly danach, war einfach zu früh. Es ist wichtig, sich die Ruhe zu geben. Die ganze X-Alps ist einfach viel zu schnell. Der Körper und der Kopf braucht Zeit, um zu verarbeiten, was geleistet wurde, und das dauert dann einfach ein bisschen Zeit.


Ich glaube, 2024 hattest du einen schweren Unfall mit dem Speedglider. Wie kam es denn dazu?


Einen Unfall mit dem Speedy hatte ich 2022. Das war vor den X-Alps 2023. Das war tatsächlich mein erster Unfall.

Ich fliege, seitdem ich mit dem Gleitschirmfliegen angefangen habe, auch Speedy. Ich tastete mich langsam ran und irgendwann geht man halt mit dem Gleitschirm eine Kategorien hoch oder beim Speedy werden die Schirme eben kleiner. Irgendwann war ich beim Achter angelangt. Am Tag vor meinem Unfall bin ich ihn geflogen und zur Erkenntnis gekommen, dass ich ihn zu selten flog. Das heißt, entweder muss ich jetzt bewusst anfangen, mit dem Speedy viel zu trainieren und viele Flüge machen oder ich verkaufe ihn und fliege einen weniger radikalen Schirm. 

Ich entschied mich, ihn zu behalten und mehr zu trainieren. Am darauffolgenden Tag, der etwas voll war mit Aufgaben (Testflüge, Tandemflug, Akrofliegen usw). Trotzdem kam da noch die Motivation  für eine Skitour und einen Speedy Run. Am Ende zwang ich mich dazu, weil es dann doch schon spät war. Ich hatte an dem Tag wenig getrunken und gegessen und war nicht mehr voll fokussiert. Dazu kam, dass das Licht schon diffus war. Ich startete bei etwas Rückenwind. Es drückte mich nach unten und erst als ich flog, merkte ich, dass es brutal schwierig war den Kontrast einzuschätzen. Und so hoch konnte ich halt irgendwie auch nicht fliegen. Ich hab dann so einen kreuzenden Weg übersehen und da bin ich im vollen Flug hängen geblieben. Ich hab mir mein Oberschenkel gebrochen. Das war tatsächlich das erste Mal, als ich merkte, was ich alles verlieren kann, wenn ich schwer verletzt bin. Ich hatte Glück, weil alles wieder gut verheilte und ich konnte meinen Sport weitermachen. Aber wenn es blöd läuft, sitze ich halt im Rollstuhl und dann geht gar nichts mehr.


Wie war das für dich? Ich meine, du warst voll im Training. Du warst oft beim Fliegen und dann auf einmal ging nichts mehr. Bist du dann in ein Loch gefallen oder wie war das bei dir?


Ja, ich war eine Zeit lang bewusstlos. Irgendwie kam ich auf die Intensivstation nach Sankt Johann, weil ich relativ viel Blut verlor. Ich wachte in Sankt Johann im Krankenhaus auf und irgendwann konnte ich mit den Krücken etwas gehen. Ich versucht immer in Richtung Fenster, Richtung Sonne, Balkon zu gehen. Dort sah ich die Berge und realisierte, was hätte passieren können. Und überlegt ob es das alles wert gewesen hinzuschmeißen für das Speedflying. Ich dachte immer, ich kann das einigermaßen risikoarm betreiben, doch in Wirklichkeit ist es eine Hochrisikosportart. Du bist mit einem kleinen Schirm nah am Gelände und hast keine Sicherheitsreserve. Am Anfang war noch nicht klar, ob das dann wieder alles wird. Relativ schnell entwickelte ich dann einen starken Drang, wieder fliegen zu wollen. Das motivierte mich extrem, die ganzen Übungen zu machen. Erst einmal ging es darum, kann ich wieder Gleitschirmfliegen, kann ich auf den Berg gehen und kann ich runterfliegen, zum Sonnenaufgang oder zum Sonnenuntergang, einfach ein cooles Erlebnis haben. Es ging mir gar nicht darum, wieder der Athlet zu sein und die X-Alps zu machen. Aber dann entwickelte sich der Wunsch, doch wieder mitzumachen, wenn ich es kann. Ich bin ein Mensch, der sehr gut funktioniert, wenn er klare Ziele hat. Mit klaren Zielen kann ich einfach viel Fokus und viel Motivation aufbringen, um mein Ziel zu erreichen. 

Das dauerte eine Weile, denn zunächst zweifelte ich und bekam eine Art von Depression. Ich hinterfragte das Ganze. und war in einer Negativspirale gefangen. Ich dachte „ich bin kaputt und vielleicht geht gar nichts mehr und das Leben ist besch…“. Dann ist man in so einer Negativspirale gefangen und das bringt einen nicht weiter. 

Ich setzte mir dann irgendwann zum Ziel, so schnell wie möglich ohne Krücken zu gehen. Wenn ich das erreichen möchte, dann muss ich meine Übungen machen, das ist jetzt wichtig. Wenn ich das Bein dann wieder belasten kann, dann kann ich anfangen mit Radl fahren. Vielleicht wieder mit dem Training anfangen. Ich setzte mir Step by Step realistische Ziele. Als absehbar war, dass es wieder wird, setzte ich mir das Ziel bei den X-Alps noch einmal mitzumachen. Meine Orthopädin meinte, ich sei verrückt. Der ein oder andere fand das vielleicht auch fragwürdig. Für mich war das aber einfach ein cooles Ziel und das hat mich extrem motiviert. Und ich glaube, das hat auch stark dazu beigetragen, dass ich es wieder geschafft habe aufzustehen.


Du hast es ja dann auch geschafft. Du warst dann 2023, ein Jahr danach, wieder bei den X-Alps und wurdest Neunter?


Yes, ich bin Neunter geworden. Das war meine beste Teilnahme und es war tatsächlich die erste Teilnahme, bei der ich es geschafft habe, ins Ziel zu kommen. Zweimal machte ich mit und erreichte das Ziel nicht. Ich  schaffte die Aufgabe nicht. Meine Hauptmotivation bei den X-Alps war, das Ziel zu erreichen. Das Ranking ist natürlich cool, wenn man vorne ist, aber das Ranking ist mal komplett egal, weil das kannst du manchmal gar nicht so arg beeinflussen. Man kann es nicht erzwingen, das ergibt sich oder es ergibt sich nicht. Aber einfach die Aufgabe, auf die man sich quasi 2 Jahre lang vorbereitet, mit seinem Team trainiert und plant und die dann zu schaffen, das war immer so mein Traum und das hat dann super funktioniert. Gefühlt war ich am Start der X-Alps derjenige mit dem größten Handicap. Ich konnte erst ein halbes Jahr vor den X-Alps wieder vernünftig mit dem Training anfangen. Mir fehlte das ganze Grundlagentraining. Durch den starker Blutverlust musste der Körper erst mal wieder alles aufbauen und funktionieren. Zwei Wochen Hike and Fly ist natürlich auch eine extreme Belastung für den Körper.


Ja, umso bewundernswerter, wie du das geschafft hast. Wie war das dann beim Fliegen? Ich habe Klienten, die nach Unfällen oder nach Zwischenfällen dann doch Ängste haben und jetzt warst du ja schwer verletzt, konntest wahrscheinlich auch eine Weile nicht fliegen. Hattest du dann in der Luft mit Ängsten zu tun oder hat dich das gar nicht berührt?


Ich war extrem aufgeregt und nervös, wenn ich drüber nachgedacht habe, wie sich das auf das Fliegen auswirkt. Ich denke ich hatte 3 Monate Flugpause. Normalerweise hätte ich noch mehr Flugpause machen sollen. Doch ich wollte für den Kopf die Gewissheit haben, wie sich das Fliegen anfühlt. Ich hatte in Erinnerung, wie es vor dem Unfall war. Wenn ich mehr Angst gehabt hätte, als es mir etwas gibt, dann hätte ich das Ganze hinterfragt, ob das noch das Richtige ist. Ungefähr zweieinhalb oder drei Monate nach dem Unfall war ich das erste Mal wieder fliegen. Ich war ultra nervös. Ich bin dann hausgestartet und es war super geil. Es war auf der Hochplatte und ich konnte gar nicht richtig laufen. Deshalb auch die Hochplatte, da ab Mittags der Talwind mit Ablösungen ansteht und mich der Wind beim Starten unterstützen konnte. Ich konnte im Stehen den Schirm in einer Ablösung aufziehen und im springen, mich ausdrehen . Mit einem Schritt flog ich. 2 Arbeitskollegen halfen mir, indem sie den Schirm und mich hielten damit ich in dem unwegsamen Gelände überhaupt stehen kann. Es ist natürlich höchst fragwürdig, so zu fliegen. Doch für mich war es wichtig. Im Flachland standen schöne Wolken und tatsächlich flog ich um den ganzen Chiemsee und landete beim Auto. Ich dachte „das Fliegen ist geil, das ist Ultra cool, das möchte ich unbedingt weitermachen“. 

Was mir das wahrscheinlich Mental sehr geholfen hat. Das Speedgliding ist für mich eine andere Sportart gewesen. Ich probierte auch das noch einmal, doch während des ganzen Fluges hatte ich Szenarien im Kopf, was wäre, wenn ich einen Klapper am Felsen bekomm und wenn ich einschlage… So ein Flug dauert etwa 2 Minuten und dann entschied ich mich dazu, dass es das Risiko nicht wert ist. Ich lies das Speedgliding dann auch komplett sein. Ab und zu fliege ich mit einem Parakite, das ist für mich etwas anders. Es gibt natürlich auch kleine Größen und ist schnell unterwegs, dennoch habe ich etwas mehr Reserve, um die Dynamik in Höhe umzuwandeln und vom Gelände wegzukommen. Und das hat man mitt´n Speed halt nicht so ganz. Deswegen find Ich´s ne bisschen andere Disziplin.  Aber ich bin da auch sehr defensiv Unterwegs. Ich hab aktuell auch keine kleinen Schirme mehr.


Vorhin erzählte ich, das war mein erster Unfall. Tatsächlich hatte ich danach im Kopf, dass ich jetzt Dinge machen möchte, die ich schon immer machen wollte. Ein Traum war , nach Pakistan zu gehen zum Fliegen. In 2024 verzichtete ich komplett auf Hike and Fly und passte mein Training auf die Höhe an. Ich trainierte mit einem Höhengenerator (schlafen mit einem Sauerstoffgerät im Zelt) und einer Atemmaske. Im Mai 2024 ging es dann nach Pakistan. Das war ein Projekt, das ich nur für mich mache. Ich kommunizierte das nicht mit Sponsoren. Das objektive Risiko war extrem hoch. Die Rettungskette ist nicht wie bei uns. Da kann eine Kleinigkeit schnell groß werden. Am dritten oder vierten Tag hatte ich eben noch mal einen Unfall. Und das war, das war dann tatsächlich für den Kopf was ganz anderes, weil es eben beim Gleitschirmfliegen passiert ist.


Was ist passiert?


Zum einen hatte ich einen Prototypen dabei, den ich schon etwas getestet hatte. Aber, ein Prototyp ist halt ein Prototyp. Ich schaute dass ich meinen Druck halte und das geschieht dann schon fast automatisch. Bei einem anderen Modell das ein bisschen anders getrimmt ist fühlt sich das ein bisschen anders an. Es war ein Tag wo die Bedingungen noch schwach waren unten stabil, ich hatte blubbrige 1,5 m/sec steigen. Oben war es ein wenig stärker. Oben heißt bei 5.000-6.000 Meter. Das Tal war auf 2.000 m. Wir starteten bei 3.000 m. Es fing an überzuentwickeln. Ich war mit einem Schweizer unterwegs und wir wollten zum Biwakieren Einlanden. Joel hat es an einem Spot versucht und das gefiel mir an der Stelle nicht. Über Funkt sagte ich, dass ich ein komisches Gefühl habe und nicht landen wolle. Er könne es probieren, ich drehe ab und würde an einem niedrigeren Platz landen. Der niedere Toplandeplatz war ein schöner Grashügel, den man schön anfliegen kann. Ähnlich wie Meduno nur hochalpin im Himalaya.

Ich kannte Joel nur so ein bisschen und wollte warten und sehen was er macht. Es hätte ihm ja auch was passieren können. Ich flog an der Ridge entlang und hatte mir überlegt am Hang einzuladen. Ich flog dann leeseitig in die Thermik. Wir hatten etwa 15 km/h Gegenwind, also nichts Wildes. Mein Schirm kassierte einen kleinen Klapper, den ich ich abfing. In dem Moment, als ich den Schirm wieder freigab, kassierte ich noch einen Klapper und verlor kurzfristig die Kontrolle über den Schirm. Das war der falsche Zeitpunkt, der falsch Ort und irgendwie Bad Luck. Der Schirm war zur Hangseite 70 % weg . Ich pendelte genau in den Hang. Ich brach mir erneut den Oberschenkel.


Oh nein.


Das war dann so ein Moment, bei dem ich realisierte, dass ich trotz einer sicherheitsbewussten Entscheidung einen Unfall hatte. Klar kann generell hinterfragt werden, ob fliegen in Pakistan sicher ist, doch im Grunde habe ich eine Entscheidung getroffen an einem „sichereren Platz“ zu landen. Das hat sehr, sehr viel in meinem Kopf gemacht, weil gerade bei den X-Alps oder beim Wettkampffliegen mit vielen Piloten im Gaggel, geht man schon immer ein gewisses Risiko ein. Es gibt die Gefahr von Kollisionen oder du fliegst über einen Sattel, bei dem der Wind rüber bläst. Und das hat mir zu denken gegeben.

Letztendlich war es eine Verkettung von Umständen: Mit dem Prototyp in Pakistan bei stabiler Luftmasse im unteren und etwas instabilerer Luftmasse im oberen Bereich, hohe Höhe mit viel schärferen Turbulenzen und dünner Luft. Dazu noch zwei Klapper nacheinander usw. Mir wurde klar, wenn es so eine Verkettung gibt, dann kann ich vom Himmel fallen. Das hat mich sehr beängstigt. 

Danach hab ich mich komplett eingeschissen, wenn es irgendwo Bumpy war und brauchte lange, bis ich das in ein positives Gefahrenradar umwandeln konnte. Jedes Mal, wenn ich jetzt so eine ähnliche Situation habe, merke ich, dass ich angespannt bin und dann sage mir „hey, das ist O. K., das passt. Es ist wichtig, dass ich fokussiert bin und aufpass, weil es ist eine angespannte Situation“.
Wenn es wirklich gar nicht geht, dann gehe ich landen. Erzwingen bringt nicht. Doch genau wie beim ersten Unfall hatte ich schnell wieder Lust auf Fliegen bekommen und auch wieder Lust bei den X-Alps mitzumachen. 

Mathematisch betrachtet, ist es so, dass je länger jemand fliegt, desto wahrscheinlicher ist es, dass man auch mal einen Unfall hat. Die Erkenntnis nach dem Unfall ist: Egal ob ich Freifliege, einen Streckenflug mache oder eine einem Wettbewerb teilnehme. Es macht keinen Sinn für eine Platzierung ein unnötiges Risiko einzugehen. Selbst beim Superfinale bekommst du als erster einen Blumenstrauß und einen Pokal, bei den X-Alps bekommst du vielleicht deinen Einsatz als Preisgeld wieder. Du musst halt ständig abwägen, wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen.

Seit diesem Zeitpunkt bin ich deutlich vorausschauender unterwegs. Ich habe ein Gefahrenradar entwickelt. Wenn es herbstföhnig ist, am Hang soart und es sich für mich nicht gut anfühlt / grenzwertig ist, dann sage ich innerlich halt: „Warum sollte ich jetzt fliegen? Ich muss jetzt nicht fliegen, gehe ich halt morgen, wenn es wieder besser ist“.


Wie machst du das? Du hast gerade gesagt, also gerade im Wettbewerb. Du bist dann einer Gruppendynamik ausgesetzt. Du fliegst da dann doch ins Lee, weil der Task so gesetzt ist und alle da rein fliegen. Und es ist ja so ein typisches Verhalten, dem wir  wir alle zum Teil unterliegen. Wie löst du das für dich?


Bei dem Task an der Trofeo Montegrappa 2026, wo wir einfach die Wende hinter einer Ridge hatten, wo wir vom Lee zurück ins Luv fliegen mussten, hatte es ca. 35 km/h Wind, in den Ablösungen mehr. Beim Briefing wurde die Problematik kurz angesprochen. Ich hatte die Situation auf meinem Radar. Ich zog für mich die Handbremse. Natürlich hätte der Task rechtzeitig abgebrochen werden könne, was aber nicht passiert ist. Viele merkten die Gefahr wahrscheinlich erst, als sie schon in den Turbulenzen waren. Für einige war es dann auch nicht mehr möglich Level 3 zu funken. Ich flog mit angezogenen Handbremse, weil ich einfach sehen wollte, wie gehen die anderen damit um und was gibt es für Optionen? Es gab eine Option, die ging direkt durch und die andere ist defensiver weiter draußen. Ich habe leider bloß zu spät die zweite Option gesehen und  machte am letztmöglichen Spot maximale Höhe, um Reserve zu haben, um nicht in den Abwind zu geraten. Bei mir ging sich das gut aus. Andere mit weniger Höhe, hatten schlechte Erlebnisse.

Das war so eine Situation, die bei den X-Alps auch öfter vorkommen kann. Du hast eine grenzwertige Situation, bei der vernünftiger Weise nicht geflogen wird. Doch das ist ein lokales Ereignis. Außenrum war es super zum Fliegen. 

In so einer Situation musst du dir Gedanken machen, wie du an der Schlüsselstelle weiter machst. Welche anderen Optionen es vielleicht gibt? Vielleicht gibt es eine defensive Möglichkeit? Wenn nicht, dann muss ich eben abbrechen. Dann ist es halt so, dann komme ich da nicht drüber. Oder halt und das fand ich ganz cool, dass das funktioniert hat bei der hinteren Gruppe, die haben einfach eine Linie weiter draußen genommen und hatten etwas steigen und kamen relativ entspannt über die Schlüsselstelle. Solche Situationen hast du auch immer wieder bei jedem Streckenflug. Wenn ich an die falsche Stelle zu tief komme, kann es sein, dass mich der Talwind komplett runterspült und Talwindlee ist halt einfach nicht schön. Wichtig ist zu schauen, ob es andere Optionen gibt. Wenn es keine gibt, dann muss ich konsequenterweise landen gehen. Wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt, und ich flieg da einfach blind rein, dann ist es für mich kein vertretbares Risiko.


Das ist etwas Wichtiges, was du gesagt hast, dass ich eben das Risiko auch einschätzen können sollte und eben auch weiß, was auf mich zukommen kann. Und wenn ich das nicht weiß, dass ich es dann bleiben lass.


Wie findest du, neben Arbeit, Training und Freundin die notwendige Balance in deinem Leben? Wie sorgst du für Erholung und Regeneration?


Das ist ein spannender Punkt. Das ist ein Learning aus meinem ersten Unfall. Ich merkte, dass ich mich sehr pushte, um noch fitter zu werden, um noch mehr zu fliegen und Speedflying, Akrofliegen usw.. Für mich setzte ich dann eine Regel: ich trainiere konsequent und versuch was geht, aber an einem Tag pro Woche, den suche ich mir aus, da ist das Training im Hintergrund. Wenn es heißt, ich mache einen Hike and Fly, irgendwo Intervalle am Berg hoch und so weiter. Das schaut dann irgendwie so aus, dass ich dann oben halt einfach sag, hey, es ist jetzt Wurscht, ich muss jetzt nicht gleich runterfliegen. Ich setz mich einfach mal eine halbe Stunde an den Stadtplatz und schaue mir die Landschaft an, weil es ist ja brutal schön oben am Berg. Bei so einem zielgerichteten Training, des wird halt dann alles irgendwie System. Also ich renn aufm Berg hoch, ich flieg runter, ich renn hoch, flieg runter. Und den Berg hab ich schon 50 mal gesehen, ich bin da schon, keine Ahnung, viel zu oft hochgelaufen. Manchmal ist es ganz wichtig, einfach das Ganze ein bisschen zu entschleunigen und zu sagen: "Hey, jetzt."


bin ich auf dem Berg oben, ich habe mein Training absolviert, das hat jetzt gar nichts mehr mit irgendwas zu tun und ich kann mich einfach mal hinlegen und dem Wind rauschen zuhören, den Dohlen beim Soaren zuschauen oder anderen Gleitschirmfliegern. Das Ganze einfach mal einwirken lassen und versuchen, das zu genießen, weil das ist so ein bisschen eine Schwierigkeit. Je professioneller das Ganze wird, desto mehr verliert man das wirklich alles so aufzunehmen, zu genießen, und auch wahrzunehmen. Gerade bei den X-Alps finde ich es extrem. Wir machen immer so Video, Daily Recaps. Und die Tage vergehen so schnell. Schlag auf Schlag, und du denkst am Ende von dem ersten Tag: "Krass, was habe ich eigentlich an dem Tag alles erlebt?" Und dann kommt der nächste Tag und der einfach noch mal einen drauf setzt und dann noch mal einen drauf und noch mal einen drauf, und das halt zehn oder elf Tage hintereinander.
Es ist unmöglich alles aufzunehmen. Wenn ich mir dann die Videos manchmal selber anschaue, dann denke ich mir „hey, geil, da sind wir einfach von Mont Blanc die ganze Südseite bis zur Vorspitze abgeflogen, an den hohen Berge. Wir sind super schön mit Rückenwind geflogen. Du erlebst die Situation nochmals und versuchst irgendwie wieder Energie aufzunehmen, für die Zeit, wenn es dann wieder etwas schwieriger wird.


Während des Fluges habe ich schon sehr viel wahrgenommen, aber wenn ich mir die Videos noch mal anschaue, dann kommt das Ganze noch mal so richtig mit Gänsehaut hoch und ich hab es wieder voll im Kopf. Das ist dann schon ganz cool. Es ist einfach wichtig, dem Erlebten etwas Zeit zu geben und nicht zu sehr etwas erzwingen zu wollen. Letztendlich soll es beim Fliegen um Spaß, Freude, das Erlebnis und das Abenteuer gehen. Da gibt es viele verschiedene Motivationspunkte. Punkte die einen antreiben, das zu machen. Ich versuche einfach für mich immer mal wieder mir Zeit zu nehmen, um einfach mal 2 Stunden am selben Berg zu soaren. Oft wurde es mir nach einer Stunde langweilig. Nach dem Feierabend noch schnell auf den Berg und eine schöne Sonnenuntergangsstimmung genießen oder im Talwind sich nach oben zu soaren, das ist einfach geil. Ich finde, das hat dann manchmal so einen meditativen Charakter. Das ist dann in dem Sinne keine Regeneration vom Fliegen, aber irgendwie ist es eine Regeneration für mich, weil ich dann einfach wieder realisiere: "Hey, das Fliegen ist halt einfach geil und ich muss nicht 500 km in Brasilien fliegen oder 300 Kilometer am Hammertag irgendein Dreieck machen, um ein cooles Erlebnis zu haben. Ich kann einfach morgens oder abends auf den Berg gehen und runterfliegen und das ist auch mega geil.“


Manchmal sind auch einfach diese kurzen, schönen Flüge vielleicht sogar schöner oder mehr wert für das eigene Wohlbefinden als diese Rekordflüge. Was sind denn die drei wichtigsten Tipps, die du Piloten mitgeben möchtest, die wie du Hike & Fly oder Streckenflugwettbewerbe mitfliegen möchten?

Also, ein wichtiger Tipp ist auf jeden Fall, Geduld ist der Schlüssel. Patients is the Key. Geduld ist extrem wichtig, weil man kann den ganzen Prozess nicht beschleunigen. Beim Fliegen und beim Hike and Fly oder anderen Disziplinen zieht sich das durch. Wenn du in eine Abschattung kommst, dann gibt es Piloten die einfach weiterfliegen, andere halten sich in einem Nullschieber fest und irgendwann entsteht wieder eine schöne Thermik. Es kann sein, dass ich 20 Minuten am selben Spot klebe. Aber ich bin noch in der Luft und da hilft halt einfach die Geduld. Ich würde sagen, meine Schwachstelle ist vielleicht auch irgendwo die Geduld und ich schreibe mir dann immer so einen Post-it auf mein Vario, wo drauf steht, „hey Geduld“. Wenn ich dann in einer Situation bin und mich frage, was jetzt wichtig ist, dann sehe ich den Post-it und weiß, ja geduldig sein, in der Luft bleiben. Wenn ich am Boden bin, dann muss ich laufen. Klar, wenn ein Gewitter aufzieht oder Föhn ist, ist Laufen die die bessere Option. Geduld ist auf jeden Fall extrem wichtig beim Gleitschirmfliegen.

Wir sollten uns auch immer wieder im Klaren sein, dass es um nichts geht. Auch wenn ich die X-Alps gewinne oder beim Superfinal gewinne, es geht um nichts. Daher ist es wichtig, sich klar’ zu machen, für was ich das mache - für sich, für Spaß, für Freude, für das Abenteuer. Deshalb nahm ich selbst nach meinem Unfall nochmals an den X-Alps teil. Ich find es sehr spannend, aus grenzwertigen Wettersituationen irgendwie versuchen, das Meiste oder Beste rauszuholen. Eine gesunde Motivation ist wichtig und nicht zu versuchen, etwas zu erzwingen.

Mit diesen Gedanken machte ich mein erstes BordairRace. Wenn du das als Ziel hast, dann ist es wichtig die logischen Schritte zu machen. Erst ein Bordair Race, dann vielleicht ein Dolomiti Superfly, dass ich mal ein längeres Rennen mitmache und dann sammle ich Erfahrung und baut sukzessive darauf auf. Wenn du dran bleibst, Geduld mitbringst und etwas Talent dann wird’s vielleicht auch was.

Das ist doch ein gutes Schlusswort, würde ich sagen. Vielen Dank, Markus, für das tolle Interview, für das gute Gespräch. Ich könnt noch stundenlang weiter reden mit dir. Also, ich hätte noch viele Fragen an dich, aber vielleicht kann man das einfach mal ein anderes Mal machen. Ich wünsch dir alles Gute für die X-Pyr, dass du da auch ein tolles Abenteuer hast und viele schöne Erlebnisse haben wirst. Und ja, dass du das erreichst, was du dir wünscht. Danke dir, Markus.


Sportpsychologische Überlegungen

Aus sportpsychologischer Sicht lassen sich aus dem Interview mit Markus folgende zentrale Erkenntnisse und Themen ableiten:

1. Motivation und Zielsetzung

Intrinsische Motivation: Obwohl Markus sehr leistungsorientiert ist, zeigen sich für ihn die Freude an der Natur, am Fliegen selbst und am Abenteuer als zentrale Motivationsfaktoren. Wettkämpfe werden eher als Herausforderungen mit Freunden und als betreute Flugreisen wahrgenommen, nicht nur als Leistungssport.

Klare Ziele: Trotz der intrinsischen Motivation setzt er sich klare, realistische Ziele, die ihm helfen, gut zu „funktionieren“. Gerade nach seiner Verletzung hat ihn das Ziel motiviert, wieder bei den X-Alps teilzunehmen. Klare, realistische Ziele helfen dabei, Fokus und Motivation besonders in schwierigen Phasen wie nach einer Verletzung aufrechtzuerhalten.
Es gibt verschiedene Arten von Zielen: intrinsische, wertorientierte Ziele sind ideal, um eine generelle Richtung vorzugeben und die grundsätzliche Motivation für den Sport langfristig aufrechtzuerhalten. Klare, realistische und messbare Ziele – oft als SMART-Ziele formuliert – helfen dabei, sich kurz- und mittelfristig zu motivieren und den Fokus zu behalten. Wichtig bei SMART-Zielen ist, dass eine hohe intrinsische Motivation bestehen muss, sonst funktionieren solche Ziele nicht. Diese Erfahrung hast du vielleicht auch schon gemacht, wenn du dir z. B. das Ziel gesetzt hast, regelmäßig Sport zu machen. Fehlt die intrinsische Motivation, scheitert das Vorhaben oft nach wenigen Wochen. Daher ist es wichtig, zunächst die intrinsische Motivation zu klären. Markus hat seine Motivation in der Freude an der Natur, dem Abenteuer und dem Fliegen selbst gefunden.

2. Umgang mit Rückschlägen und Verletzungen

Psychische Belastung nach Unfällen: Nach schweren Verletzungen erlebt Markus depressive Phasen und Zweifel („Negativspirale“). Wichtig war das Setzen von Zwischenzielen (z. B. schneller ohne Krücken gehen), um Schritt für Schritt zurückzukommen.

Resilienz: Trotz Rückschlägen hat er die mentale Stärke, sich wieder aufzurappeln und seine Leidenschaft weiterzuverfolgen. Der Wunsch, wieder fliegen zu können, motivierte ihn stark zur Rehabilitation – hier zeigt sich erneut die intrinsische Motivation.

Akzeptanz von Grenzen: Er reflektiert realistisch das Risiko und die Verluste, die Verletzungen mit sich bringen können, und passt sein Verhalten entsprechend an.

3. Risikomanagement und Entscheidungsfindung

Risikobewusstsein: Nach den Unfällen hat sich ein bewussteres Gefahrenradar entwickelt. Markus wägt nun bewusster Risiko und Nutzen ab und entscheidet oft rational gegen unnötige Risiken.

Gruppendynamik vs. individuelle Entscheidung: Er beschreibt das Phänomen der Gruppendynamik („the Gaggle is always right“) und wie er sich bewusst abgrenzt, um keine riskanten Entscheidungen nur wegen der Masse zu treffen. Er reflektiert immer wieder seine Gedanken und mögliche Optionen, um eigene Entscheidungen trotz Gruppendynamik zu treffen. In schwierigen Situationen beobachtet er aufmerksam, wartet ab und überlegt alle Optionen, bevor er weiterfliegt. Dabei versucht er auch, sich nicht von seinen Emotionen überrollen zu lassen. Er holt sich bewusst zurück mit Worten wie: „Stop, erst wenn ich im Ziel bin, freue ich mich – JETZT ist es wichtig, fokussiert zu Ende zu fliegen.“

4. Mentale Strategien im Wettkampf

Geduld als Schlüsselkompetenz: Geduld wird als eine der wichtigsten mentalen Kompetenzen genannt – sowohl beim Fliegen als auch beim Warten auf bessere Bedingungen. Viele Piloten haben damit Schwierigkeiten. Wenn es nur zäh nach oben geht, kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass auch langsames Steigen Steigen ist. Wenn ich weiterfliege, ist der Flug vielleicht bald vorbei. Es kann helfen, eine Erinnerungshilfe auf das Cockpit zu kleben, z. B. mit den Worten: „Bleib ruhig, Geduld bringt mich weiter.“

Flow-Erleben: Während des Wettkampfs empfindet Markus einen „Flow“. Er beschreibt, wie sein Tagesablauf bei den X-Alps zur Routine wurde – die jedoch abrupt endet, als das Rennen vorbei war. In ihm entstand ein Gefühl der Leere. Das passiert vielen Sportlern, die auf ein Ziel hingearbeitet haben. Egal ob sie das Ziel erreichen oder nicht – die Leere ist ein Phänomen, das danach häufig eintritt. Das zeigt die Bedeutung von mentalen Übergangsstrategien nach intensiven Leistungen. Zuerst sollte dieses Gefühl als eine vorübergehende normale Phase akzeptiert werden. Danach können neue Ziele gesetzt werden – was Markus auch getan hat. Eine geregelte Struktur hilft dabei, aus der Leere herauszukommen. Soziale Unterstützung durch Freunde, Familie oder Teamkollegen kann ebenfalls sehr hilfreich sein. Ein Gespräch mit einem Sportpsychologen kann unterstützend wirken. Markus berichtete auch, wie erschöpft sein Körper nach den zwei Wochen war. In solchen Fällen ist es wichtig, sich ausreichend Pausen und Erholung zu gönnen. Das Reflektieren der Erfolge und Erlebnisse hilft dabei, positive Emotionen wachzurufen. Markus sieht sich seine Videos und Bildmaterialien an. Tagesberichte sind eine sehr sinnvolle Art zu reflektieren und um sich in schlechten Zeiten aus einem Tief zu holen.

Generell können Achtsamkeitsübungen die Fähigkeit trainieren, im Hier und Jetzt zu sein und eine neutrale, wertfreie Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Gedanken, Gefühle und Umgebung zu ermöglichen. Mit Achtsamkeit können depressive Episoden vermindert oder gar vermieden werden.

Das Interview zeigt eindrucksvoll, wie mentale Fähigkeiten, Selbstregulation, passende Zielsetzung und Risikobewusstsein im Gleitschirmfliegen entscheidend sind. Die Balance zwischen Leistungsdruck und Genuss sowie ein gut entwickeltes Gefahrenmanagement sind Schlüsselelemente für langfristigen Erfolg und Sicherheit. Zudem ist die Fähigkeit zur Resilienz nach Rückschlägen ein wichtiger Faktor für nachhaltige sportliche Entwicklung.

 

 


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