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Mittwoch, 17 November 2021 17:14

Gruppendenken und Konformität verringern

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Gruppendenken und Konformität verringern 8385 • pixabay

Mich macht es traurig, wie manche aktuell miteinander umgehen und wie manche auch nicht mehr willig sind sich mit anderen auszutauschen. Deshalb möchte ich heute mit dir meine Gedanken zum Thema Gruppendenken und Konformität teilen.

 

 

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Ich habe vergangene Woche an einem Workshop teilgenommen und da ging es auch darum, welche Herausforderungen aktuell am größten sind. Ein Thema war die Spaltung der Gesellschaft.

 

Verschiedene Gruppen polarisieren sehr stark u Unterschwellig ist das Gefühl vorhanden, man kann gar nicht mehr aufeinander zugehen.

 

Wann entsteht Gruppendenken?

Gruppendenken entsteht hauptsächlich dann in Gesellschaften, wenn großer Druck besteht. Also wenn irgendeine Bedrohung von Außen vorherrscht und dann wird das vorherrschende Bild zusätzlich in eine ganz bestimmte Richtung verzerrt. Und das findet aktuell tatsächlich statt.

 

Warum ist Gruppendenken schlecht?

Das Problem beim Gruppendenken ist, dass nicht mehr alle Informationen verarbeitet werden.

 

Es werden nur noch die Informationen verarbeitet, die der eigene Meinung entsprechen und andere Meinungen werden gar nicht mehr akzeptiert. Das Problem dabei ist, dass Abweichungen von der allgemeinen Meinung nicht gerne gesehen werden und dass sich die Gruppenmitglieder gegenseitig bestätigen.

 

Wie kann Gruppendenken verringert werden?

Um Gruppendenken in Arbeitssituationen oder in alltäglichen Situationen zu vermeiden sollten Führungskräfte nicht zu Beginn ihre Meinung äußern und zusätzlich sollten auch Außenseitermeinungen explizit zugelassen werden, um dann eben durch Abwägung von Pro und Contra zu einem guten Ergebnis zu kommen.

 

Welche Einflüsse spielen bei Gruppendenken eine Rolle?

Wenn wir von Gruppendenken und Konformität sprechen, spielen vor allem zwei Einflüsse eine große Rolle: Der Informative und der Normative Einfluss.

 

Beim Informativen Einfluss handelt es sich, um das sprichwörtliche „Schwarmdenken“. Wenn ich zum Beispiel aus dem Zug oder dem Flugzeug aussteige, orientiere ich mich unter anderem daran, wohin die Masse läuft. Wenn alle in die gleiche Richtung unterwegs sind, gehe ich davon aus (unbewusst), dass die Masse weiß, wo der Ausgang ist und folge ihr.

 

Beim Normativen Einfluss handelt es sich um Regeln und Vorgaben. Soziale Normen, also Regeln, wie wir uns in unserer Gesellschaft zu verhalten haben, sind solche Normativen Einflüsse. Normative Normen können im Straßenverkehr durchaus nützlich sein. Wir alle unterliegen solchen Sozialen Normen.

 

Wenn du mir nicht glaubst, kannst du mal versuchen in einem Aufzug laut zu singen. Du wirst feststellen, dass dir das nicht so leicht fällt, denn die Soziale Norm gibt vor, im Aufzug eher ruhig zu sein.

 

Dieser Einfluss von Gruppen oder von der Gesellschaften ist ziemlich stark und darf auch nicht unterschätzt werden.

 

Experimente zu Gruppendenken und Konformität

Das erste Experiment zu Gruppendenken und Konformität, das ich kenne, ist von Muzaffer Sherif (1936). Er hat in einem dunklen Raum einen Lichtpunkt platziert und wollte überprüfen, ob die Probanden von ihrer ursprünglichen Meinung abweichen.

 

Jetzt ist es so, wenn wir in einem dunklen Raum einen Punkt haben, dann scheint sich dieser zu bewegen, dies ein Wahrnehmungsphänomen das autokinetischer Effekt genannt wir. Dieser Effekt tritt auf, wenn es für die Betrachtenden keinen Bezugspunkt gibt, um geringfügige Augenbewegungen zu korrigieren.

 

Sherif bat seine Probanden, die alleine in einem dunklen Raum saßen, um eine Einschätzung, wie weit sich der Lichtpunkt bewegt hatte. Die Einschätzungen der Probanden wichen stark voneinander ab. Sie lagen zwischen 2 bis 20 cm.

 

Als nächstes setzte Sherif zwei oder mehr Probanden in einen Raum und ließ sie ihre Schätzung laut äußern. Am Anfang gab es noch Unterschiede, doch sehr schnell änderten die Probanden ihre Meinung und einigten sich auf eine Einschätzung. Sie glichen die Einschätzung der anderen mit ihrer eigenen ab, bis sich alle Anwesenden einig waren.

 

Dieses Verhalten ist auch in anderen Situationen häufig zu beobachten. In uneindeutigen Situationen, vergleichen wir oft unsere eigenen Reaktionen mit denen von anderer, um sicher zu sein, dass unsere Reaktion oder das Verhalten angemessen ist.

 

Etwas später in den 50er-Jahren machte Solomon Asch (1955) ein weiteres Experiment. Er meinte, die Änderung der Meinung könnte auf den autokinetischen Effekt zurückzuführen sein. Wenn Wahrnehmungen objektiv eindeutig sind, dann würde es vermutlich nicht zu dieser Meinungsänderung kommen.

 

Um seine Hypothese zu überprüfen lud er Probanden zu einem Sehschärfetest ein. Ein Proband wurde gemeinsam mit fünf anderen Personen, die sich auch als Probanden ausgaben, aber in Wirklichkeit Assistenten von Solomon Asch waren, aufgefordert. Eine Refernzlinie zu betragen und dann mit drei Vergleichslinien zu vergleichen (siehe Abbildung).

 

Asch Experiment 1955 / 1956

 

In zwölf von 18 Durchgängen gaben die fünf Assistenten bewusst eine falsche Antwort. Asch war sich sicher, der Proband würde die richtige Antwort geben, weil die Aufgabe ja sehr einfach war und die richtige Antwort leicht zu erkennen sei. Doch in etwa einem Drittel der Fälle schlossen sich die Probanden den Assistenten an.

 

Bei wiederholten Versuchsdurchgängen, gaben drei von vier Probanden mindestens einmal eine inkorrekte Antwort, die konform mit den Assistenten ging.

 

Die Probanden gaben an, sie wollten keine Außenseiter sein, daher schlossen sie sich der Mehrheitsmeinung an.

 

Wann lehnen Menschen Normen ab?

 

Solomon Asch (1956) hat sich damit nicht zufrieden gegeben. Also er hat festgestellt okay wir unterliegen dieser Konformität, aber er wollte auch wissen, wann gelingt es uns eben nicht diesen Einfluss der Gruppe zu unterliegen?

 

Er hat festgestellt,

 

  • dass die Gruppengröße einerseits entscheidend ist.
    Bei sehr kleine Gruppen, von nur ein bis zwei Assistenten, wurde die Meinung nicht angenommen. Bei drei oder mehr Assistenten, welche die falsche Antwort gaben, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass die falsche Antwort bestätigt wurde.
  • bei fehlender Einvernehmlichkeit
    Wenn sich die Assistentin nicht ganz sicher waren, ob jetzt Linie A, B oder C der Referenzlinie entsprach, dann sind die Probanden auch nicht konform gegangen. Dann sind die Probanden ihrer Meinung standhaft geblieben.

 

Daraus folgt, dass jeder kleine Abweichler, der nicht der Mehrheitsmeinung entspricht, wichtig für eine offene Diskussion ist und dein Einfluss von Gruppendenken und Konformität verringern kann.

 

Probleme für Abweichler

Abweichler sind in der Gesellschaft nicht gern gesehen. In der Regel werden sie nicht gut behandelt. Es droht die Gefahr aus der sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden.

 

Viele Menschen schließen sich der Mehrheitsmeinung nur an, weil sie Angst davor haben, sozial ausgeschlossen zu sein.

 

Deswegen haben Gruppen so eine große Macht über uns.

 

Das kannst du tun, wenn du eine andere Meinung als die Mehrheit vertrittst:

 

Wenn du eine andere Meinung als die Mehrheit hast, dann kann ich dir nur empfehlen, organisier dich mit anderen. Such dir Gleichgesinnte.

 

Der Austausch mit anderen reduziert den eigenen Stress:

 

  • Menschen bieten emotionale Unterstützung: sich einfach mal aussprechen können, hilft den Druck besser ertragen zu können.
  • Menschen geben informative Unterstützung: Gemeinsam ist das Wissen größer und es finden sich leichter Lösungen.
  • Menschen geben instrumentelle Unterstützung: Materielle Dinge, wie Geld.

 

Wenn du das Gefühl hast ausgeschlossen zu sein, dann tu dich mit anderen zusammen. Denn gemeinsam ist es wirklich leichter.

 

Noch ein Wunsch zum Abschluss

Gruppendenken und Konformität kann dazu führen, dass wir sehr stark in eine Richtung polarisieren und dass dann die unterschiedlichen Gruppen in einen Konflikt miteinander geraten, was dann tatsächlich zur gesellschaftlichen Spaltung führen kann. Mein Wunsch ist einfach, dass wir aufeinander zugehen und auch andere Meinungen akzeptieren, schließlich leben wir in einem Land in dem er es Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit gibt. Das bedeutet auch, dass wir die Meinung des anderen akzeptieren dürfen und können.

 

Lasst und offen aufeinander zu gehen und lasst uns miteinander diskutieren.

 

Welche Erfahrungen hast du gemacht mit Gruppendenken und Konformität? Hinterlass gerne einen Kommentar oder schreibt mir eine e-Mail an yvonne(at)winmental.de ich freue mich von dir zu hören.

  

Nun wünsche ich dir viel Aufwind in allen Lebensbereiche,

 

Deine Yvonne

 

Literaturnachweis:

 

Asch, S. E. (1955). Opinions and social pressure. Scientific American, 193, 31-35.

 

Asch, S. E. (1956). Studies of independence and conformity: A minority of one against a unanimous majority. Psychological Monographs, 70, Whole No. 416.

 

Sherif, M. (1936). The psychology of social norms. Oxford: Harper

Gelesen 312 mal Letzte Änderung am Freitag, 03 Dezember 2021 16:04
Yvonne Dathe

Psychologin (M.Sc.) • Dipl. Betriebswirtin • Gleitschirm-Fluglehrerin

Seit 1994 fliegt Yvonne leidenschaftlich mit dem Gleitschirm. Sie schreibt über das Fliegen, das ACTive Leben und bietet psychologische Beratung an: Mentales Training • Stressige Situationen und Krisen meistern. Ihr Motto ist "Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen!"

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