Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen...

Mittwoch, 23 März 2022 12:50

Raus aus dem Winter - rein in die Frühjahrsthermik! Empfehlung

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Raus aus dem Winter - rein in die Frühjahrsthermik! Yvonne Dathe

Die Vögel zwitschern, die Blumen sprießen und die ersten kleineren Streckenflüge wurden mit dem Gleitschirm nach dem langen kalten Winter geflogen. Wer nicht das Glück hatte während der kalten Jahreszeit eine Weile im Süden zu verbringen ist schnell von der ersten Thermik im Frühjahr überfordert.

 

 

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Wegen des großen Temparaturunterschiedes und den klaren Abrisskanten an den noch vorhandenen Schneefeldern, sind die Thermiken oft sehr stark und pulsieren. Nicht selten sind die Aufwinde im Frühjahr turbulent. Dafür sind die guten Steigwerte ideal geeignet, um weite Strecken zu fliegen. Nicht selten werden die größten Strecken des Jahres im April/Mai geflogen.

 

Eine weitere Schwierigkeit sind neben den starken Thermiken, der Temparaturunterschied. Oft ist es am Startplatz warm, aber an der Basis sehr kalt. Daher sind warme Kleidung ein MUSS. Die kalte Luft zehrt am Körper. Der Energieverbrauch ist hoch. Dadurch wird die Konzentrationsfähigkeit belastet.

 

Viele Pilot:innen fliegen im Winter selten oder gar nicht. Das macht es besonders schwer im Frühjahr mit den schwierigen Bedingungen zurecht zu kommen. Wie kannst du dich nun also auf die Bedingungen einstellen?

 

Zunächst gilt es die Äußeren Faktoren vorzubereiten:

 

Jahres-Check & Service der Gleitschirm-Ausrüstung

  • Nachprüfintervall des Gleitschirmes prüfen
  • Leinen checken
  • Packintervall des Rettungsgerätes prüfen
  • Gleitschirm ggf. zum Check schicken
  • Rettung ggf. packen lassen
  • Gurtzeug: Nähte überprüfen, Beschleuniger richtig angebracht, Sitzposition passt
  • Rettungsschnurr griffbereit im Gurtzeug verstaut

 

Instrumente & Kleidung vorbereiten

  • Beschädigten Helm sofort austauschen
  • ggf. Helmvisier prüfen und gegebenenfalls erneuern
  • Winddichte Kleidung , Sonnenbrille und Handschuhe in den Packsack packen
  • (falls du beheizbare Handschuhe trägst, sind diese geladen?)
  • Variometer & GPS sind geladen und funktionsfähig

 

Nachdem die Ausrüstung überprüft wurde und alles passt, solltest du dich auch mental auf das Fliegen vorbereiten. Grundsätzlich solltest du eine positive oder zumindest neutrale Einstellung zu dem Mentalen Training haben. Außerdem sollte du schon etwa reale Erfahrung mit dem Fliegen haben, damit du dir das Fliegen überhaupt gedanklich vorstellen kannst.

 

Handlungspläne helfen dir bei der Mentalen Flugvorbereitung

Als mentale Flugvorbereitung solltest du dir Handlungspläne für alle möglichen Situationen erarbeitet haben. Mit einem Handlungsplan im Hinterkopf kannst du schwierige Situationen gelassen meistern, da du weißt was zu tun ist. Um mit einem Handlungsplan zu erarbeiten ist es wichtig, dass du dich an die Systematik des mentalen Trainings hältst:

 

  1. Anweisung: Du benötigst eine Anweisung, wie du die für dich schwierige Situation am besten Lösen kannst. Diese Anweisung ist vergleichbar mit einem Kochrezept. Hältst du dich an das Rezept wird das Gericht gelingen. Du bekommst solche Anweisung von Fluglehrern, Trainern, guten Pilot:innen, aus Büchern oder Zeitschriften.

  2. Beschreibung: Wenn du eine Anweisung für deine spezielle Situation die du trainieren möchtest (dabei ist es egal, ob du Thermikkreisen oder ein anderes Flugmanöver üben möchtest) hast, geht es an die Beschreibung. Die Beschreibung unterscheidet sich von der Anweisung dadur, dass du nun die Situation und deine Handlung aus der ICH-Perspektive heraus beschreibst. Das ist deshalb wichtig, da jeder eine eigene Sicht der Welt hat. Jeder empfindet anders und achtet auf andere Details. Wenn ich fünf Personen bitte zu beschreiben, wie sie in der Thermik kreisen, werde ich fünf verschiedene Beschreibungen erhalten. Deshalb, beschreibe den Lösungsweg der schwierigen Situation aus deiner eigenen Perspektive und zwar nach Möglichkeit unter Einbeziehung der fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen). Also was kannst du alles Sehen und Hören? Wie ist deine Körperhaltung? Was kannst du alles Riechen oder Schmecken? Und was fühlst Du dabei? Wenn dich ein positives Selbstgespräch unterstützen kann, was sagst du zu dir? All diese Details sollten mit in deine Beschreibung.

  3. Verinnerlichung: Nun geht es daran, dass du deine Beschreibung verinnerlichst. Das Beste wäre es du liest dir immer wieder den Text durch und stellst dir gleichzeitig den Ablauf vor. Mit der Zeit verschwinden einige Details aus deiner Vorstellung und andere treten in den Vordergrund. Das ist ein Zeichen, dass du dir die Beschreibung langsam zu Eigen gemacht hast.

  4. Knotenpunkte setzen: Nachdem du die Beschreibung verinnerlicht hast, kannst du dir Knotenpunkte setzen. Mit deren Hilfe ist es dir möglich sich in der Situation entlangzuhangeln. Genau wie ein Streckenflieger sich Wendepunkte setzt und diese abfliegt. Beim Beispiel Thermikfliegen sind die Knotenpunkte vielleicht: Achten auf die Reaktionen des Flügels – Eine Seite steigt – Eindrehen mit Gewicht zur steigenden Seite – Thermik zentrieren – Weiterflug an der Basis.
    Hinter den Knotenpunkten verbirgt sich die genaue Beschreibung. Doch die Knotenpunkte reichen aus, um zu wissen, was zu tun ist.

  5. Rhythmus: Zum Schluss kann noch ein Rhythmus gesetzt werden. Dies wäre die nochmalige Verkürzung der Knotenpunkte. Zum Beispiel: Rein – Kreisen – raus

  6. Visualisieren: Der letzte Punkt ist dann das Visualisieren. Nimm dir deinen Handlungsplan, setze dich an einen entspannenden, ruhigen Ort und gehe in Gedanken die Situation durch. Erlebe das Ereignis mit allen Sinnen. Je realistischer desto besser. Das interessante ist, dass das Gehirn nicht unterscheiden kann ob du die Situation real erlebt hast oder „nur“ mental. Du kannst auch mit Hilfe der Visualisierung deine Flüge im nach hinein noch einmal durchgehen. So fliegst du praktisch zwei Mal und hast den doppelten Lerneffekt. Bei einem sogenannte Debriefing können Flüge nochmals durchgegangen. Gerade im Wettbewerbsbereich helfen solche Debriefings sich Klarheit über die Schlüsselstellen zu verschaffen: Was lief gut? Was lief weniger gut? Wie hätte es besser laufen können? Gerade im Flugsport sehr wichtig. Denn leider sind die fliegbaren Tage sehr begrenzt.

    22 pilotentipps

 

Nicht nur Mental sondern auch in der Realität üben

Wenn du deine Ausrüstung gecheckt hast, du dich mental auf das Fliegen unter verschiedensten Bedingungen und die unterschiedlichsten Situationen vorbereitet hast, dann solltest du natürlich noch real trainieren. Denn das reale Training ist immer noch das Beste. Solltest du tatsächlich eine Winterflugpause gemacht haben, gehe erst an den Übungshang und mach Aufziehübungen und taste dich erst langsam an das Fliegen heran. Übe die Standardmanöver und solltest du feststellen, dass einige Sachen nicht so klappen wie sie sollten, überlege warum. Vielleicht hilft dir auch ein Sicherheitstraining oder ein Refresherkurs.

 

Ich wünsche dir viel Aufwind für die neue Flugsaison und freue mich, wenn du auch das nächste Mal wieder mit dabei bist – denn mit Aufwind mehr Erfolg!

 

Gerne kannst du mir eine Mail mit deinen Fragen oder auch einfach einen Themenvorschlag schicken. Ich freue mich immer über Anregungen die von meinen Zuhörern kommen. Wünsche, Fragen und Anregungen bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

PS: Damit du dich optimal auf den Start in die Flugsaison vorbereiten kannst, hast du hier die Möglichkeit eine Checkliste herunter zu laden! 

 

Gelesen 3283 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 23 März 2022 15:08
Yvonne Dathe

Psychologin (M.Sc.) • Dipl. Betriebswirtin • Gleitschirm-Fluglehrerin

Seit 1994 fliegt Yvonne leidenschaftlich mit dem Gleitschirm. Sie schreibt über das Fliegen, das ACTive Leben und bietet psychologische Beratung an: Mentales Training • Stressige Situationen und Krisen meistern. Ihr Motto ist "Mit Lebensfreude Grenzen überfliegen!"

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