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Wenn positive Selbstgespräche nicht funktionieren

20. Oktober 2017 by 0 Comment 186 Views

Julia hat sich in letzter Zeit viel mit dem Thema positive Selbstgespräche beschäftigt. Sie ist sehr gewissenhaft und möchte dies für sich selbst umsetzen. Also achtet sie auf ihre Gedanken und macht innerlich sofort einen Gedankenstopp, wenn ein negativer Gedanke auftaucht. Anschließend versucht sie einen positiven Gedanken, der hilfreicher ist, einzubringen. Doch leider gelingt ihr das nicht. Stattdessen taucht ein weiterer negativer Gedanke auf: „Das kann doch nicht wahr sein, selbst zum positiven Selbstgespräch bist du zu blöd!“. Folglich ist sie frustriert und fühlt sich noch schlechter als zuvor.

Wie Julia geht es vielen, die versuchen einen negativen Gedanken direkt durch einen positiven Gedanken zu ersetzten.


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Verstand ist gut zum Planen

 

Der Verstand ist ein Wunderwerk, wenn es darum geht Pläne zu schmieden, etwas zu entwickeln oder sich etwas vorzustellen. Doch genau, diese Fähigkeiten machen es uns manchmal auch schwer. Wenn der Verstand mal so richtig loslegt wird häufig aus einer Fliegen der sprichwörtliche Elefant. Immer wieder werden Pannen, Ängste und Katastrophen wiedergekäut, bis wir nicht mehr gut schlafen können oder total in Panik geraten.

John Lennon hat dies schön auf dem Punkt gebracht „Ich habe viel Schlimmes durchlebt in meinem Leben. Das meiste davon ist nie eingetroffen“. Damit meint er all die negativen Gedanken, Horrorszenarien und schrecklichen Bilder, die wir tagtäglich in unserem Kopf kreieren und von denen wir uns häufig leiten lassen.

Je mehr wir versuchen an etwas nicht zu denken, desto häufiger taucht dieser Gedanken auf – das ist vollkommen normal. So funktioniert unser Gehirn.

 

Achtsamkeit statt Gedankenstopp und positives Selbstgespräch

Einen negativen Gedanken sofort durch ein positives Selbstgespräch zu ersetzten ist natürlich das Ideal. Leider gelingt dies vielen nicht. Wer versucht, nicht an einen rosa-farbenen Elefanten zu denken, wird vermutlich ebenso scheitern wie einer, der abnehmen möchte und versucht nicht an Schokolade zu denken.

Gerade Gedanken, die wir versuchen zu verdrängen, tauchen besonders intensiv auf. Wer versucht positives Denken in sein Leben zu integrieren und daran scheitert, fühlt sich oft schlecht und unfähig irgendetwas im Leben zu schaffen.

Häufig funktioniert positives Denken nur, wenn eh schon die Basis gelegt ist. Wer beispielsweise ein gutes Selbstbewusstsein hat, kann dieses durch den Satz „Ich bin ein liebenswerter Mensch“ steigern. Bei unsicheren Menschen kann der Gedanke genau das Gegenteil bewirken, weil Erinnerungen hochkommen, die nicht zu dieser Aussage passen.

Achtsamkeit kann ein einfacherer Weg sein, um mit negativen Gedanken umzugehen. Dabei geht es nicht darum ob ein Gedanke gut oder schlecht ist, es geht viel mehr darum Gedanken einfach nur wahrzunehmen ohne diese zu beurteilen. Driften wir dabei ab, nehmen wir dies wahr und kehren anschließend wieder auf ein Objekt (z.B. dem Atem) zurück.

Was ist Achtsamkeit?

Das Konzept der Achtsamkeit stammt ursprünglich aus dem Buddhismus. Achtsamkeit kann in fünf Elemente unterteilt werden. Im Zentrum steht die Konzentration auf ein bestimmtes Objekt. Daneben gibt es das Beobachten, Benennen, Nicht-Bewerten und Nicht-Reagieren.

Es geht also darum sich auf ein Objekt zu konzentrieren, dieses Objekt zu beobachten ohne sofort zu bewerten oder darauf zu reagieren und das Beobachtete zu benennen.

Durch dieses Vorgehen können innere Vorgänge beobachtet und innere Automatismen gestoppt werden.

So könntest du dich auf deine Gedanken konzentrieren.

Was wird erreicht?

Wer achtsam mit seinen Gedanken umgeht kann Distanz zu seinen Gedanken erhalten. Durch eine neutraler Beobachter-Position wird ein innerer Abstand zu den Gedanken gewonnen. Das verschafft neuen Freiraum anders zu Handeln und alte, belastende Verhaltensmuster abzulegen. Dann ist es möglich zu erkennen, das Gedanken einfach nur Gedanken sind und keine Tatsachen. Häufig glauben Menschen, Gedanken seien die Realität. Doch dem ist nicht so. Wenn wir uns das klar machen, verlieren Gedanken an Macht. Viele Gedanken, die wir uns um Zukünftiges machen, treffen überhaupt nicht ein. Auf diese Sorgen zu verzichten, schafft Freiraum und Lebensqualität.

Vielleicht gelingt es sogar zu erkennen, wie begrenzt Gedanken in Wahrheit sind, das kann zu einem regelrechten „Aha“-Erlebnis führen. Das reine Bewusstmachen ist dabei der erste Schritt.

Schlussendlich ist es möglich durch Achtsamkeit wieder die Kontrolle über seine Gedanken und Gefühle zu erhalten.

 

4 Schritte, um achtsam mit Gedanken umzugehen:

 

  1. Zeit gewinnen

    Wenn du merkst, dass sich ein negativer Gedanke anbahnt, dann atme bewusst ein-zweimal ein und aus. Wenn du möchtest schließe dabei deine Augen. Der negative Gedanke ist nun etwas gedämpft und du hast Zeit und Freiraum gewonnen für den nächsten Schritt.

  2. Begrüße den Gedanken und gib ihm einen Namen
    Ja, du hast richtig gelesen „begrüße“ den Gedanken. So auf die Art: „Ach ja, da ist ja wieder dieser Ich-schaffe-das-nie-Gedanke“ oder „ich hab dich zwar nicht eingeladen, aber schön, dass du vorbeischaust Ohne-mich-geht-gar-nichts-Gedanke“. Wenn du es schaffst, deine Gedanken und Gefühle zu begrüßen und ihnen einen Namen zu geben, dann hast du schon fast gewonnen.

  3. Beobachte deine Gedanken
    Nimm eine Beobachter-Position ein und schau auf deine negativen Gedanken von außen zu. So als würdest du am Rande einer viel befahrenen Straße sitzen und dem Verkehr zu sehen. Lass deine Gedanken auf dich wirken. Was passiert? - Gibt es ein Muster? - Verändert er sich vielleicht? Beobachte einfach nur ohne zu bewerten oder etwas verändern zu wollen.

  4. Lass die Gedanken ziehen
    Wenn du deinen Gedanken eine Weile zu siehst, wird dir sicher auffallen, dass Gedanken kommen und gehen, so wie Wolken aufziehen und wieder verschwinden. Manchmal verändern sie sich, doch du als Person bleibst gleich. Lass negative Gedanken weiter ziehen, wie Wolken am Horizont.

Wie ergeht es Julia?

Julia hat die 4 Schritte versucht. Zunächst fand sie es sehr eigenartig einen negativen Gedanken zu begrüßen. Nachdem der Weg einen negativen Gedanken durch einen positiven zu ersetzen nicht funktioniert hat, versuchte sie es dennoch. Das Ergebnis: Bereits durch das Begrüßen erkannte sie, dass der Gedanke einfach nur ein Gedanke ist und verlor dadurch sprichwörtlich an Macht. Sie konnte ihre negativen Gedanken benennen. Einer der häufigsten negativen Gedanken nannte sie „Nur-wenn-alles-sofort-kappt-bin-ich-gut“. Sie erkannte wie irrwitzig und unrealistisch dieser Gedanke ist. Dadurch konnte sie Distanz zu sich und ihren Gedanken aufbauen.

 

Sie erkannte viele automatische Gedanken, die immer wieder auftauchten. Diesen häufigen Besuchern gab sie Namen. Manche Gedanken verschwanden daraufhin sofort, andere konnte sie korrigieren.

 

Sie fühlt sich nun wieder als Herrin über ihr Denken, was sich auf ihr Selbstvertrauen und Wohlbefinden positiv auswirkte.

 

Fazit:

 

achtsamkeit lebensfreude

Positive Selbstgespräche sind durchaus hilfreich, doch häufig ist es einfach unmöglich einen negativen Gedanken sofort in einen positiven zu verwandeln. In diesem Fall ist es nützlicher Gedanken einfach nur achtsam wahrzunehmen ohne zu bewerten oder etwas verändern zu wollen. Dadurch schaffst du Distanz zwischen dir und deinen Gedanken, du erkennst die Begrenztheit der Gedanken und bekommst die Kontrolle über deine Gedanken und Gefühle zurück.

 

Wenn du mehr über Achtsamkeit erfahren möchtest empfehle ich dir den 30-Tage-eMail-Kurs „Achtsamkeit – Schlüssel zur Lebensfreude“.

 

 Viel Aufwind in allen Lebensbereichen, wünscht

 Yvonne

 

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Yvonne Dathe

Lösungsorientierte Beraterin mit betriebswirtschaftlichem und psychologischen Hintergrund. Gleitschirmpilotin seit 1994 und Lebensfreude-Spezialistin.

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